Neuigkeiten

Mit dem Rad zum Tempelhofer Feld

16. Mai 2017 08:12:51

lisa.wiedemuth

Was für eine spannende Abstimmung. Wochenlang waren alle Projekte gleichauf, das Ergebnis unbeirrt offen. In den letzten Tagen kristallisierten sich allerdings allmählich die ersten Plätze heraus. Seit gestern Nacht stehen die Gewinner nun endgültig fest. Quartiermeister fördert mit jeweils 1000€:

- Wir drehen Berlin: Umsetzung des Radgesetzes vor deiner Haustür (536 Stimmen)
- OpenStage THF (476 Stimmen)

Beide Projekte zeigen, dass sich aktives Engagement und die Verantwortung für das eigene Umfeld bzw. Nachbarschaft auszahlen! Herzlichen Glückwunsch! Für diese beiden Projekte hat es diesmal leider nicht gerreicht:

- Mobasyl - Schwimmkurse für geflüchtete Jugendliche (444 Stimmen)
- COFFI Festival - interdisziplinäre, italienische Gegenwartskust (390 Stimmen)

Wir wünschen allen Projekten viel Erfolg bei der Umsetzung ihrer zukünftigen Vorhaben und hoffen, dass sie ihre Reichweite durch die Abstimmung verstärken konnten!

Branding, Funding und fehlende Kühlschränke

22. April 2017 16:10:33

lisa.wiedemuth

Wer genauer hinschaut, sieht sie überall: Die Schriftzüge einzelner Biermarken an Schirmen, Markisen, Bars, Kühlschränken, Theken, Aschenbechern, Eingangsschildern, Zapfanlagen oder als knallige Leuchtreklame im Fenster. Die Liste geht ins Unendliche, doch Fakt ist: Was große Marken in Werbung und Vertriebskunden stecken, können wir uns aufgrund unserer Förderung nicht leisten. Und das wollen wir generell auch gar nicht. Eine Erklärung zum Tag des deutschen Bieres.

Die Zahlen der Brutto-Werbeausgaben der 25 größten Player auf dem deutschen Biermarkt klingen nach nationalen Infrastrukturmaßnahmen. Insgesamt rund 65 Millionen Euro gab bspw. Krombacher 2016 für seine Werbung in den klassischen Medien aus, gefolgt von Bitburger (ca. 39 Millionen Euro) und Radeberger (ca. 33 Millionen Euro) (vgl. BRAUINDUSTRIE 2/2017). Das klingt viel, ist aber auf jeden Fall noch nicht alles. Denn die klassischen Sponsoringmaßnahmen und Werbekostenzuschüsse, also Kühlschränke & Co., sind dort noch gar nicht berücksichtigt.

Die Zahlen und Analysen des Magazins BRAUINDUSTRIE belegen, dass die Werbeausgaben im Biersektor Jahr um Jahr steigen. Das liegt zum großen Teil an dem sinkenden Bierkonsum der Deutschen. Deswegen ist nun die größte strategische Zielsetzung der Konzerne, die langfristige Markenbindung der Konsument*innen zu garantieren. Am deutlichsten wird dieser Trend bspw. bei der Marke Holsten. Der Konzern hat seine Werbeausgaben im Vergleich zum Vorjahr um 728% erhöht. Quartiermeisters Ausgaben sind im Vergleich dagegen gesunken, wir haben im letzten Jahr insgesamt rund 13.500€ für Marketingmaßnahmen ausgegeben. Wir finanzieren damit hauptsächlich Flyer, Banner oder andere Informationsmaterialien für den Einzelhandel bzw. den Point-of-Sale.

Im Vertrieb stoßen wir allerdings immer wieder auf Kneipen, Clubs und Restaurants, die die Werbekostenzuschüsse, kurz WKZ’s, geradezu erwarten. Denn für die Betreiber*innen der Lokale sind Zuschüsse, Rabatte und Ausstattung teilweise überlebenswichtig, während es den großen Getränkekonzernen in einigen Fällen nicht einmal um den gewinnorientierten Verkauf, sondern lediglich um die Präsenz am richtigen Ort geht. Was sich zu Beginn für die Lokale noch sehr verlockend anhört, kann aber schnell zum Alptraum werden, wenn die WKZ’s dann doch an jahrelange Verträge und festgelegte Verkaufsmengen gebunden werden. Quartiermeister wendet sich von diesen gängigen Mitteln und Maßnahmen ab und versucht sein Wirtschaften sozial und nachhaltig für alle Seiten zu denken. Wir haben vielleicht keine Kühlschränke, oder Leuchtreklame, dafür strahlt die Idee unserer Projektförderung in alle Kieze hinein. Wer uns verkauft, tut dies aus Überzeugung! Wer uns im Laden stehen hat weiß, dass Wirtschaften auch anders funktionieren kann.

Natürlich würden wir uns manchmal wünschen, dass mehr Menschen von unserem Bier erfahren und sich mit unserer Idee identifizieren. Aber wir verzichten aus Überzeugung bewusst auf klassische Werbung und Sponsoring. Wenn jede Flasche Quartiermeister Projekte fördern soll, dann bleibt dafür tatsächlich auch kaum etwas übrig. Und was ist uns lieber? Ein guter Auftritt oder ein guter Output? Tatsächlich wäre es wohl am schönsten und traumhaftesten, wenn Konzerne wie Krombacher diese Frage anders für sich beantworten und ihren Werbeetat in Projekte stecken würden. Genauso wie wir es tun. 65.000 Projekte könnten dann mit einer Fördersumme von jeweils 1000€ unterstützt werden. Klingt viel, ist es in der Hinsicht auch.

Die Kiezblicker erobern die Nachbarschaft

18. April 2017 14:34:57

lisa.wiedemuth

Wie weit weg ist noch nah? Der Verein Weitblick e.V. schaut über die Grenzen hinweg und setzt sich weltweit für gerechte Bildungschancen ein. Nach dem Leitgedanken „vermitteln, fördern und bilden“ unterstützt Weitblick e.V. komplett ehrenamtlich nationale und internationale Bildungsprojekte durch Spendenaktionen, Austauschprogramme, Bildungsfahrten und Podiumsdiskussionen. Mit dem Projekt „Kiezblicker“ setzen die Ehrenamtlichen auf lokales Engagement vor Ort und werfen ihren Blick in die unmittelbare Nachbarschaft.

Im turbulenten Herbst 2015 war für die drei engagierten Studentinnen Charlott, Vera und Verena offensichtlich, dass sie lokal, in ihrer umliegenden Nachbarschaft helfen möchten. „Mir wurde bewusst, ich muss etwas machen“ bringt es die Studentin Verena auf den Punkt. Während eines Kinderferienprogramms für geflüchtete Kinder, organisiert von Yaylas Wiese lernen sich die Drei kennen und stellen fest, dass es schade wäre, wenn die Freizeitarbeit mit den Kindern nach den Ferien vorbei wäre.

 

Relativ schnell blitzt die Idee auf, eigene Strukturen aufzubauen, um die Kinder aus dem Camp auch längerfristig zu betreuen und zu begleiten. Seit Januar 2016 treffen sich die Engagierten von Kiezblicker mit ca. 10-20 Kindern und deren Familien zu gemeinsamen Gruppenausflügen in Berlin, um die kulturelle und sprachliche Teilhabe der neuen Nachbar*innen zu ermöglichen. Die gemeinsamen Aktivitäten sollen nicht nur einen Ausgleich zum tristen Heimalltag bieten und interkulturellen Austausch fördern, sondern in erster Linie Vertrauen und Selbstbewusstsein für sich selbst und Andere in einer fremden Umgebung schaffen.

 

Die Aktivitäten reichen von Bastel- und Sportbeschäftigungen, gemeinsamen Besuchen im Zoo bis hin zu Musikworkshops. Jenseits von klassischer Sprachförderung, geht es beim Projekt Kiezblicker um das Miteinander, das Kennenlernen der Stadt, sprachliche oder interkulturelle Kompetenzen werden ganz nebenbei vermittelt und zwar für alle Seiten. Bisher wurde das Projekt mit kleinen Summen bspw. vom Paritätischen Wohlfahrtsverband unterstützt. Damit konnten sich die Kiezblicker Spiele, Bastelmaterialien, Verpflegung, Eintrittskarten und BVG-Tickets kaufen. Auch mit der Quartiermeisterförderung möchte das Projekt die nächsten sechs Ausflüge weitestgehend finanzieren. Geplant ist bspw. Feiertage ins Programm einzubeziehen, Ostern gemeinsam zu feiern.
Zur Ausflugsgruppe kommen stetig neue Interessierte hinzu, der harte Kern bleibt aber weitestgehend bestehen, solang einzelne Familien nicht weiterziehen müssen. Es hat sich Vertrauen aufgebaut, Freundschaften wurden geschlossen, die Kinder freuen sich auf ihre Ausflüge. „Wir haben auch eine Whatsapp-Gruppe, in der immer fleißig geschrieben wird. Die Kinder fragen dann: Wieso sehen wir uns nur einmal im Monat?“, erzählt Vera. In nächster Zeit wird es allerdings weiterhin bei einem Treffen monatlich bleiben. Dafür arbeitet die Projektgruppe an dem Aufbau weiterer Kooperationen, bspw. mit einer Schule in Charlottenburg, um noch mehr Menschen ins Programm einzubeziehen.

 

Bisher wird eng mit der Notunterkunft in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau zusammengearbeitet. Im Gegensatz zu Eins-zu-eins-Patenprojekten liegt der Fokus auf der Interaktion der ganzen Gruppe, mit ihrer eigenen Dynamiken. Es ist erwünscht, dass der Pat*innen- u. Familienpool weiter wächst, aber das muss auch organisch passieren. Im besten Falle werden die „alten Häschen“ unter den Kindern selbst zu Pat*innen für die Neuen. Für die Initiatorinnen ist es immer wieder erstaunlich, wie schnell das Vertrauen und die Zuversicht innerhalb der Gruppe wachsen, trotz gängiger Sprachprobleme: „Ich kann mit dieser oder jener Mutter nicht sprechen, aber sie vertraut mir ihre Kinder an! Und so viel lässt sich ohne das gesprochene Wort kommunizieren“, erzählt Charlotte begeistert. Trotzdem wäre an der ein oder anderen Stelle ein*e Übersetzer*in von Vorteil, gerade wenn es um die Organisation und Ankündigung der Ausflüge geht. Du kannst Farsi bzw. Arabisch und/oder hast Lust dich im Norden Berlins als Pat*in zu engagieren? Melde dich hier: berlin@weitblicker.org

 

Außerdem sucht das Projekt noch einen Raum für einzelne Aktivitäten und Veranstaltungen mit der Gruppe, im Raum Spandau und Umgebung. Wir wünschen dem Projekt weiterhin alles Gute und hoffen, sie können mit unserer Förderung ihre Wirkung verstärken.

hubus und Kindertheaterreihe gewinnen Abstimmung

3. April 2017 10:02:24

lisa.wiedemuth

Ihr habt entschieden, der Kiez dankt!

Die sechswöchige Onlineabstimmung endet mit einem eindeutigen Ergebnis. Wir fördern mit jeweils 1000€:

- Kindertheaterreihe (280 Stimmen)
- Boden(be)ständiges Berlin (229 Stimmen)

Herzlichen Glückwunsch! Für diese beiden Projekte hat es diesmal nicht gereicht, wir wünschen ihnen trotzdem weiterhin alles Gute:

- Kennenlernen - Grundsteine für erfolgreiche Bildungsbiographien (185 Stimmen)
- kiezkieken - Berliner Kurzfilmfestival (158 Stimmen)

Hier gehts direkt zur nächsten Abstimmung. Zweimal klicken, Gutes tun!

Endlich Exit

31. März 2017 22:24:08

lisa.wiedemuth

Man munkelte schon lang: Bier trinken, Gutes tun, das klingt doch eher nach einem schlechten Scherz. Tatsächlich hat das Sozialunternehmen jedoch in den letzten Jahren schon fast 70.000€ an gute Nachbarschaftsprojekte ausgeschüttet. Jetzt ist allerdings offiziell Schluss mit Kies für den Kiez: „Wir haben jahrelang geschuftet. Es wird Zeit zu kassieren! “, so Co-Gründer David Griedelbach. Was bedeutet das für die soziale Biermarke und das Unternehmen?

Als der Gründer Sebastian Jacob vor sieben Jahren Quartiermeister ins Leben rief, handelte er aus einem rein intrinsischen Motiv. „Ich wollte Konsum zu einer guten und nachhaltigen Tat machen!“, erzählt der Familienvater. Seine Stimme stockt bei diesen Worten, ihm fällt es schwer, die Tränen zurück zu halten. Er sei überaus fassungslos über den Verkauf. Zwischen 2010 und 2012 kümmerte er sich gemeinsam mit dem Verein um den Vertrieb des Bieres, vollkommen ehrenamtlich. Nach der Insolvenz der ersten Brauerei stand die Unternehmung vor dem Aus, doch die Vereinsmitglieder Peter Eckert und David Griedelbach erklärten sich bereit, einen professionellen Neustart zu wagen. Wie jetzt bekannt wird, nicht ohne Hintergedanken: „Die Idee, also Saufen für den guten Zweck, war der Wahnsinn. Social Entrepreneurship ließ sich gut verkaufen. Uns war klar: Wenn wir das jetzt drei, vier Jahre einigermaßen glaubhaft durchziehen, dann wird irgendwann der Durchbruch kommen. Dann müssen wir eigentlich nur noch den perfekten Absprung schaffen!“, so David Griedelbach. Dieser Moment hat sich in den letzten Monaten angedeutet und ist nun gekommen. Peter Eckert ergänzt: „Wir wurden immer wieder gefragt: Wieso wachst ihr so langsam? Wieso macht ihr keine Werbung? Also wenn wir ehrlich sind, hatte das wenig mit unseren Prinzipien oder unserer Unabhängigkeit zu tun. Eigentlich waren wir einfach nur faul! Mit der Zeit haben wir aber gemerkt, dass wir mit wenig Arbeit trotzdem relativ viel Kohle einfahren. Das haben dann auch irgendwann die großen Player mitbekommen.“. Einer der deutschlandweit größten Bierkonzerne wird die GmbH übernehmen. Man verspricht sich ein hohes Wachstumspotenzial: „Uns geht es weniger um den sozialen Gedanken, als die Tatsache, dass Quartiermeister ein gutes, süffiges Pils ist. Der Craft-Beer-Markt wird derzeit überschwemmt. Wir möchten junge Menschen dazu bewegen, sich wieder auf die alten, traditionellen Werte zurückzubesinnen. Was dem Unternehmen bisher fehlt, ist das richtige Marketing. Wir werden als erstes in neue Sponsoringmaßnahmen und Vertriebsstrukturen investieren. Ohne Kühlschränke und Provision geht da gar nichts!“ Auch ein Quartiermeister-Truck ist in Planung. Wird unter diesen Investitionen die Förderung der Nachbarschaftsprojekte leiden? Der soziale Erlös des Bieres wird laut der derzeitigen Gesellschafter nicht aufgegeben, reduziert sich jedoch erstmal von 10 Cent auf 1 Cent pro Liter. Und wer entscheidet dann, wohin das Geld fließt? „Abstimmungen machen dann keinen Sinn mehr. Wir sind aber überrascht, wie viele gute Ideen die neuen Gesellschafter mitbringen. Ein Investor hat bspw. vorgeschlagen Pop-Up-Shops am Kottbusser Tor zu finanzieren, um dem Platz seinen schlechten Ruf zu nehmen und der Szene den letzten Schliff zu verpassen“, schwärmt die Mitarbeiterin Lisa Wiedemuth. Der Verein wusste von den Plänen seines Partnerunternehmens bisher noch nichts und ist derzeit zu keiner Stellungnahme bereit. „Wir mussten das schnell und geheim über die Bühne bringen. Unser Verein sprach schon seit längerem vom Schutz unserer Marke. Einzelne Mitglieder wollten gemeinsam mit dem Gründer Sebastian Jacob einen Marken e.V. gründen, der es quasi unmöglich gemacht hätte, uns zu veräußern! Das haben wir zum Glück rechtzeitig verhindert.“, so Griedelbach. Braumeister Glaab aus der Partnerbrauerei Wittichenau gibt sich wie so oft eher unbeeindruckt: „Was soll ich dazu sagen? Bier bleibt Bier. Solange Preis und Abnahmemenge stimmen, sehe ich da keine Probleme!“. Der Trade Sale von Quartiermeister ist seit gestern endgültig besiegelt. Über den exakten Kaufpreis wird Stillschweigen bewahrt, aber Kenner der Branche vermuten einen siebenstelligen Betrag. Was haben die beiden Gründer nach der Übernahme vor? „Wir stecken weiterhin Kies in den Kiez und wollen jetzt mit Immobilien Quartiere wie Lichtenberg lebenswerter machen! Wenn nicht jetzt, wann dann?“, fragt Peter Eckert lächelnd und streicht liebevoll über seine etwas zu große Armbanduhr.

Vom Behördendschungel zur Antragslichtung

22. Februar 2017 13:12:21

lisa.wiedemuth

Wer kennt das nicht: Missverständnisse, Unklarheiten oder einfach nur Bahnhof bei deutschen Behörden. Bei manchen Anträgen fragt man sich nur noch, wo die Ausfüllhilfen für die Ausfüllhilfen hinterlegt sind. Welche Hilfe erreicht allerdings Menschen, die kein oder noch nicht so gut deutsch sprechen und für die das Ausfüllen der Anträge zur Existenzfrage wird? Hier setzt die KuB (Kontakt- und Beratungsstelle für Flüchtlinge und Migrant_innen e.V.) mit dem Projekt Formulare verstehbar machen an. Wir haben sie besucht.

Im letzten Quartal gewann die seit 1983 existierende KuB ein zweites Mal bei unserer Onlineabstimmung. Formulare verstehbar machen ist eines der vielfältigen Unterstützungsangebote des KuB, wird allerdings als einziges komplett über Spenden finanziert. Ziel des Projekts: Durch ehrenamtliche Übersetzungen Behördenformulare in verschiedenen Sprachen online frei zur Verfügung stellen. Klingt simpel, ist allerdings eine gehörige Aufgabe mit großer Tragweite. Das Beratungsangebot der KuB wird dadurch nicht ersetzt, sondern eher gestützt und ermöglicht so Hilfe zur Selbsthilfe, auch über Berlin hinaus. Die Koordination der Übersetzungen gestaltet sich dabei aufwendig. Behördenformulare (bspw. zu Arbeitslosengeld II, Leistungen nach dem Asylbewerbungsgesetz oder Kindergeld) werden oft aktualisiert, Übersetzungen müssen von einer zweiten Meinung überprüft werden, die Homepage muss kontinuierlich betreut und weiterentwickelt werden. Quartiermeister weiß die Arbeit der KuB zu schätzen und sichert für zwei Monate eine geringfügige Beschäftigung zur Leitung des Projekts. Die hohen Klickzahlen der Seite beweisen, dass viele Menschen von den übersetzten Formularen profitieren. Man kann allerdings davon ausgehen, dass nicht nur Privatpersonen, sondern auch ganze Institutionen deutschlandweit dieses wichtige Angebot nutzen und verbreiten. Mit Formulare verstehbar machen lichtet sich langsam der Behördendschungel, sodass finanzielle Unterstützung leichter in Anspruch genommen werden kann. Aber ist es überhaupt die Aufgabe der Zivilgesellschaft, solche Übersetzungsangebote zu schaffen? Alexandre, Projektleiter von Formulare verstehbar machen verneint, erkennt aber ein politisch beabsichtigtes Defizit in diesem Bereich. Gemäß dem Motto: Wer Leistungen vom Staat erwartet, soll auch ausreichend deutsch sprechen können. Bei komplizierten Anträgen kommen jedoch schon Muttersprachler*innen an ihre Grenzen und schließlich geht es hier um existenzielle Grundfragen. Deswegen freuen wir uns, die Arbeit der KuB ein weiteres Mal unterstützen zu dürfen.

Und wie könnt ihr das Projekt unterstützen?

Formulare verstehbar machen sucht noch ehrenamtliche Übersetzer*innen für Arabisch und einfache Sprache. Interessierte können sich direkt an FormulareKuBBerlin@gmail.com wenden.

Da das Projekt sich komplett aus Spenden finanziert, ist es auf eure Hilfe angewiesen, um seine Angebote weiterhin zu ermöglichen: https://www.betterplace.org/de/projects/16145-formulare-verstehbar-machen-ein-ubersetzungsprojekt

Kopf-an-Kopf-Rennen in der letzten Abstimmung

16. Februar 2017 10:07:44

lisa.wiedemuth

Fast 1800 Stimmen sind in den letzten sechs Wochen eingegangen. Quartiermeister fieberte im Büro fleißig mit und verkündet nun feierlich das endgültige Abstimmergebnis. Mit jeweils 1000€ fördern wir (Trommelwirbel):

- 8 Tage Marzahn (496 Stimmen)
- Ankommen in Berlin (491 Stimmen)

Herzlichen Glückwunsch!
Für diese zwei Projekte hat es leider diesmal nicht gereicht:

- Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln (449 Stimmen)
- Have you seen this bird? An exhibition about the Dodo (359 Stimmen)

Wir wünschen allen Projekten weiterhin viel Erfolg und hoffen, dass wir durch die Abstimmung ihre Reichweite verstärken konnten! Hier geht's direkt zur nächsten Abstimmung!

Still got love for Syria

18. Januar 2017 10:54:27

lisa.wiedemuth

In Zusammenarbeit mit Photocircle möchten wir in den nächsten zwei Wochen da helfen, wo Nachbarschaften komplett zerstört wurden und definitiv Unterstützung benötigen! Mehr als 13,5 Millionen Syrer, darunter sechs Millionen Kinder, brauchen in Syrien humanitäre Hilfe und Schutz. Etwa 7 Millionen Menschen sind in ihrem eigenen Land auf der Flucht. Fast 70 Prozent haben keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Einer von drei Menschen hat nicht ausreichend zu essen. Syriens Entwicklung wurde um fast vier Jahrzehnte zurückgeworfen und seit Beginn der Krise ist die durchschnittliche Lebenserwartung um 20 Jahre gesunken. Wir schauen hilflos gen Nahen Osten und fragen uns, wie oder wen können wir in dieser komplizierten Auswegslosigkeit überhaupt unterstützen? Wie wird zumindest die Basis für humanitäre Hilfe gedeckt? Wir möchte gemeinsam mit euch Spenden sammeln!


Ihr wolltet schon immer "still got love for the kiez" mit unserem T-Shirt in die Welt schreien? Nun ist der perfekte Moment dafür, denn wir spenden in den nächsten zwei Wochen pro verkauftem T-Shirt 5 Euro an die Hilfsorganisation CARE in Syrien.
 

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Und was passiert mit unseren Spenden?

Insgesamt hat CARE bislang über 1,6 Millionen Menschen in Syrien mit überlebenswichtiger Hilfe unterstützt. CARE konzentriert sich hauptsächlich auf die Verteilung von Hilfsgütern wie Nahrungsmitteln, Hygienekits sowohl für Babys als auch ältere Menschen sowie Küchensets. Während des kalten Winters haben die Partnerorganisationen von CARE Familien mit Matratzen, Decken, Bodenmatten und Kinderkleidung unterstützt. Die Partner arbeiten auch mit Kliniken zusammen, die den Zugang zu Gesundheitsversorgung für vom Konflikt betroffene Gruppen ermöglichen. Auch der Zugang zu sauberem Trinkwasser, sanitären Anlagen und besserer Hygiene ist ein Fokus der Arbeit vor Ort. CARE und seine syrischen Partner helfen Menschen auch dabei, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Psychosoziale Programme helfen, mit der großen Last des andauernden Krieges fertigzuwerden. CARE kooperiert mit lokalen humanitären Organisationen, von denen viele schon seit Beginn der Krise aktiv sind und unterstützt sie beim Ausbau ihrer Fähigkeiten und ihrem Verständnis für humanitäre Prinzipien und Standards. Weitere Infos hier!

„Vielleicht bin ich ein lazy bastard, aber ich brauche keine Stundenerfassung!“

14. Januar 2017 12:24:12

lisa.wiedemuth

In unserem Strategietreffen im Dezember wurde deutlich, dass wir im letzten Jahr zwar gute Arbeit geleistet, aber viel zu wenig drüber gesprochen haben. Nicht über unsere Erfolge, sondern eher über die Art & Weise wie wir arbeiten (wollen). Im neuen Jahr wächst unser Team mit zwei neuen vollen Stellen. Dazu gehöre auch ich: als bisher einzige QuartiermeisterIN im Unternehmen wird mein Minijob nach dem Studium zur Vollzeit. Wer seit über zwei Jahren zusammenarbeitet, weiß wem er gegenübersitzt, hat Vertrauen in die Arbeit des Anderen und pflegt eine herzliche Unternehmenskultur. Wenn Quartiermeister samt Team (und Familiennachwuchs) jedoch weiterhin wächst, ist es wichtig, die unausgesprochen geltenden Regeln im gemeinsamen Arbeitsalltag zu hinterfragen, zu ändern oder festzulegen.

Was bedeutet Vollzeit?

„Ich packs erst um 11 heute. Bis gleich“. Unsere Arbeitszeiten waren schon immer recht flexibel. Wer später ins Büro kommt, wird trotzdem herzlich empfangen, wer um neun am Arbeitsplatz sitzt, wird wahrscheinlich eher allein sein. Wir sind alle Eulen (oder Väter) und kennen die Studien zur Arbeitsproduktivität: wenn die Eule zu zeitig arbeitet und zur Schnecke wird, kommt weniger bei rum. Außerdem erreicht man im Vertrieb sowieso niemanden vor elf. Wer länger schläft, muss länger arbeiten, oder auch mal zwischendurch von zuhause aus. Die 40-Stunden-Woche hat uns dann trotzdem manchmal an den Kräften genagt oder die Freizeit gepiesackt. Schließlich gibt es noch wesentlichere Dinge als Bier. Eine neue Familie zum Beispiel, Freunde, Freude, Schlaf oder einfach ein langes Wochenende. Wir haben uns deswegen entschieden alle auf 36 Stunden runterzugehen. Freitag frei oder Homeoffice, das ist jedem selbst überlassen. Ich sehe meinen Vater die Hände über dem Kopf zusammenschlagen. "Das ist keine Arbeit, das ist institutionalisierte Unterstützung von Faulheit!". Aber wir sind nicht das einzige Unternehmen, das etablierte Arbeitsstrukturen infrage stellt. Nicht weil wir im Luxus schwimmen, sondern weil wir andere Prioritäten setzen und uns trauen (können), von vorgefertigten Mustern abzuweichen.

„Ballern, ballern, Luft holen“

Was kann alles in einer 36-Stunden-Woche passieren? Peters Haftnotiz ist kein Plädoyer für Hektik & Stress, sondern beschreibt unseren Habitus des Arbeitens. Es ist geradezu unmöglich, immer am Pils der Zeit zu bleiben. Flexible Arbeitszeiten helfen jedoch zumindest Schritt zu halten. Wer eine Woche ballert und gar nicht mehr nach Hause geht, weil ein großer Fisch am Haken hängt, der Schuh drückt oder sich die eigene Spaßbremse nicht anziehen lässt, kann die Stunden zu einem anderen Zeitpunkt zum Ausruhen nutzen, den Urlaub verlängern oder nach dem Kaffeetrinken nach Hause gehen. Peter, Matheo und ich schreiben gerne unsere Stunden auf. Wir wissen, dass die keiner anschaut, aber wir bilanzieren uns so selbst. Und die Davids? Die finden das eher nervig: „Vielleicht bin ich der lazy bastard, aber ich brauche keine Stundenerfassung. Ich habe Vertrauen, dass ihr richtig arbeitet!“. Genau, denn wieso sollten wir das auch nicht tun? Schließlich ist Quartiermeister ein Herzensprojekt. Wer von uns fett Kohle machen und entspannen möchte, der sollte sich einen anderen Arbeitgeber suchen. Wir arbeiten, weil wir an unsere Idee glauben, weil wir genauso wie unser Bier etwas Gutes tun wollen. Deswegen funktioniert auch (meistens) unser Homeoffice. Jeder darf von zuhause arbeiten, wenn er darauf Lust hat. Wir vertrauen uns und falls es Zweifel an der Produktivität des Anderen geben sollte, suchen wir das Gespräch. Wir merken, wir werden immer professioneller, aber wir geben Acht nicht allzu verbissen zu werden. „Ich will ins Büro kommen und stolz erzählen, dass ich einen fetten Termin gemacht habe, oder über Peters Mütze lachen, das ist für mich Arbeit!“, meint Matheo im Hinblick auf die wachsenden Homeoffice-Zeiten. Das Büro ist und bleibt der Ort des persönlichen Miteinanders und Austausches.

Methoden, Effizienz, gehaltvolles Wohlfühlen

Die Woche beginnt seit jeher mit unseren Meisterrunden am Montagmorgen. Das anfängliche „Wie geht’s? Wie war dein Wochenende?“, endet dann meistens in einem längeren Gespräch. Das ist uns aber auch wichtig. Schließlich haben wir uns alle sehr gern und stellen diese Fragen nicht nur rhetorisch. Wenn dann alles gesagt ist, lässt es sich besser aufs Arbeiten konzentrieren. Was steht an? Wer kümmert sich darum? Unsere Effizienz könnte montags trotzdem noch meisterlicher sein. Wir haben uns deswegen überlegt, mehr Methoden zu integrieren, als „wild Gehirnsturm“ zu betreiben. Außerdem ist ab jetzt jemand verantwortlich, die Menschen montags zusammenzutrommeln, die Methode, den Plan und den Besprechungsraum vorzubereiten. Unangenehme Aufgaben teilen wir uns gern. Unangenehmen Angelegenheiten gehen wir nicht aus dem Weg. Und so endet die Diskussion beim Thema Gehalt. Richtet sich unser Lebensstandard nach unserem Gehalt oder entspricht er ihm? Während Freunde um die dreißig Haus & Auto kaufen, leben wir glücklich in Wohngemeinschaften. Wir sind sicherlich keine Konsummonster. Aber wir würden zum Beispiel alle ausschließlich im Biosupermarkt einkaufen, wenn wir uns das leisten könnten, oder Geld für den nächsten Urlaub sparen, oder in eine größere Wohnung ziehen. Den Spielraum, den Andere in unserem Alter und mit unserem Bildungsgrad haben, besitzen wir nicht. Dafür besitzen wir eine Vision und eine Arbeit bei der wir täglich mitbestimmen, gestalten und diskutieren dürfen. Wir sind Kollegen, die sich ungefragt Kaffee aufsetzen, Salat und Schokolade teilen, gemeinsam verkaufte Paletten und neue Kunden feiern und auch mal ihre drei Minuten haben dürfen. Was das Gehalt betrifft, ist die Diskussion noch nicht vorbei. Wir werden uns nochmal nächste Woche zusammensetzen. Dann kalkulieren wir mal genau, was man so fürs Leben braucht. Mein Vater würde sicherlich wieder die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, aber ich könnte erwidern: „Wann konntest du jemals so offen, gemeinsam mit deinen Kollegen und Arbeitgebern über ein gerechtes Gehalt diskutieren?“.

Eindeutiges Ergebnis der letzten Abstimmung!

1. Januar 2017 17:07:36

lisa.wiedemuth

So eindeutig war das Ergebnis einer Onlineabstimmung schon lang nicht mehr! Ihr habt entschieden, der Kiez dankt! Quartiermeister fördert mit jeweils 1000€:

- Formulare verstehbar machen (202 Stimmen)
- Das Barockmusikprojekt des Weinmeisterchores (158 Stimmen)

Applaus und herzlichen Glückwunsch!
Den dritten Platz teilen sich Springstoff, mit dem Workshop "Stabile Deutsche? Nationalismus im Rap" und GSBTB Open Art Shelter mit jeweils 85 Stimmen! Leider hat es für diese Initiativen diesmal nicht gereicht.

Wir wünschen allen Projekten einen guten Start ins neue Jahr und kreative Schaffenskraft bei zukünftigen Vorhaben!