Die Kiezblicker erobern die Nachbarschaft

Autor lisa.wiedemuth

Erstellt am 18. April 2017 14:34:57


Wie weit weg ist noch nah? Der Verein Weitblick e.V. schaut über die Grenzen hinweg und setzt sich weltweit für gerechte Bildungschancen ein. Nach dem Leitgedanken „vermitteln, fördern und bilden“ unterstützt Weitblick e.V. komplett ehrenamtlich nationale und internationale Bildungsprojekte durch Spendenaktionen, Austauschprogramme, Bildungsfahrten und Podiumsdiskussionen. Mit dem Projekt „Kiezblicker“ setzen die Ehrenamtlichen auf lokales Engagement vor Ort und werfen ihren Blick in die unmittelbare Nachbarschaft.

Im turbulenten Herbst 2015 war für die drei engagierten Studentinnen Charlott, Vera und Verena offensichtlich, dass sie lokal, in ihrer umliegenden Nachbarschaft helfen möchten. „Mir wurde bewusst, ich muss etwas machen“ bringt es die Studentin Verena auf den Punkt. Während eines Kinderferienprogramms für geflüchtete Kinder, organisiert von Yaylas Wiese lernen sich die Drei kennen und stellen fest, dass es schade wäre, wenn die Freizeitarbeit mit den Kindern nach den Ferien vorbei wäre.

 

Relativ schnell blitzt die Idee auf, eigene Strukturen aufzubauen, um die Kinder aus dem Camp auch längerfristig zu betreuen und zu begleiten. Seit Januar 2016 treffen sich die Engagierten von Kiezblicker mit ca. 10-20 Kindern und deren Familien zu gemeinsamen Gruppenausflügen in Berlin, um die kulturelle und sprachliche Teilhabe der neuen Nachbar*innen zu ermöglichen. Die gemeinsamen Aktivitäten sollen nicht nur einen Ausgleich zum tristen Heimalltag bieten und interkulturellen Austausch fördern, sondern in erster Linie Vertrauen und Selbstbewusstsein für sich selbst und Andere in einer fremden Umgebung schaffen.

 

Die Aktivitäten reichen von Bastel- und Sportbeschäftigungen, gemeinsamen Besuchen im Zoo bis hin zu Musikworkshops. Jenseits von klassischer Sprachförderung, geht es beim Projekt Kiezblicker um das Miteinander, das Kennenlernen der Stadt, sprachliche oder interkulturelle Kompetenzen werden ganz nebenbei vermittelt und zwar für alle Seiten. Bisher wurde das Projekt mit kleinen Summen bspw. vom Paritätischen Wohlfahrtsverband unterstützt. Damit konnten sich die Kiezblicker Spiele, Bastelmaterialien, Verpflegung, Eintrittskarten und BVG-Tickets kaufen. Auch mit der Quartiermeisterförderung möchte das Projekt die nächsten sechs Ausflüge weitestgehend finanzieren. Geplant ist bspw. Feiertage ins Programm einzubeziehen, Ostern gemeinsam zu feiern.
Zur Ausflugsgruppe kommen stetig neue Interessierte hinzu, der harte Kern bleibt aber weitestgehend bestehen, solang einzelne Familien nicht weiterziehen müssen. Es hat sich Vertrauen aufgebaut, Freundschaften wurden geschlossen, die Kinder freuen sich auf ihre Ausflüge. „Wir haben auch eine Whatsapp-Gruppe, in der immer fleißig geschrieben wird. Die Kinder fragen dann: Wieso sehen wir uns nur einmal im Monat?“, erzählt Vera. In nächster Zeit wird es allerdings weiterhin bei einem Treffen monatlich bleiben. Dafür arbeitet die Projektgruppe an dem Aufbau weiterer Kooperationen, bspw. mit einer Schule in Charlottenburg, um noch mehr Menschen ins Programm einzubeziehen.

 

Bisher wird eng mit der Notunterkunft in der Schmidt-Knobelsdorf-Kaserne in Spandau zusammengearbeitet. Im Gegensatz zu Eins-zu-eins-Patenprojekten liegt der Fokus auf der Interaktion der ganzen Gruppe, mit ihrer eigenen Dynamiken. Es ist erwünscht, dass der Pat*innen- u. Familienpool weiter wächst, aber das muss auch organisch passieren. Im besten Falle werden die „alten Häschen“ unter den Kindern selbst zu Pat*innen für die Neuen. Für die Initiatorinnen ist es immer wieder erstaunlich, wie schnell das Vertrauen und die Zuversicht innerhalb der Gruppe wachsen, trotz gängiger Sprachprobleme: „Ich kann mit dieser oder jener Mutter nicht sprechen, aber sie vertraut mir ihre Kinder an! Und so viel lässt sich ohne das gesprochene Wort kommunizieren“, erzählt Charlotte begeistert. Trotzdem wäre an der ein oder anderen Stelle ein*e Übersetzer*in von Vorteil, gerade wenn es um die Organisation und Ankündigung der Ausflüge geht. Du kannst Farsi bzw. Arabisch und/oder hast Lust dich im Norden Berlins als Pat*in zu engagieren? Melde dich hier: berlin@weitblicker.org

 

Außerdem sucht das Projekt noch einen Raum für einzelne Aktivitäten und Veranstaltungen mit der Gruppe, im Raum Spandau und Umgebung. Wir wünschen dem Projekt weiterhin alles Gute und hoffen, sie können mit unserer Förderung ihre Wirkung verstärken.


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