Behindert und verrückt feiern Pride Parade Berlin

Förderzweck

1000€

Mittelverwendung: Finanzierung einer barrierearmen Parade (Gebärdesprachdolmetscher*innen, Infrastruktur, Technik, mobile Behindertentoilette, Verpflegung der Helfer*innen etc.) 

Die Gesellschaft ist von einem Mainstream geprägt, der den leistungsstarken, anpassungsfähigen, flexiblen und unauffälligen Menschen in den Mittelpunkt stellt. Die Akzeptanz von Menschen die als „behindert“ bezeichnet werden hat zwar in den letzten 20 bis 30 Jahren auf den ersten Blick zugenommen, bei genauerem Hinsehen gilt dies jedoch nur für diejenigen, die dem Ideal des Mainstreams nahe kommen. Nicht leistungsfähige „behinderte“ Menschen, insbesondere solche die weder arbeiten noch sich (verbal) verständlich machen können, werden nach wie vor stark ausgegrenzt. Diese Ausgrenzung reicht bis hin zur vorgeburtlichen Selektion. Eine parallele Entwicklung ist bei „verrückten“ Menschen zu beobachten. Während Diagnosen wie Burnout fast schon zum guten Ton gehören, nimmt die Stigmatisierung anderer Diagnosen deutlich zu. Gleichzeitig erhöht sich die Zahl der Menschen die als „behindert“ oder „verrückt“ abgestempelt werden, da immer mehr Eigenschaften und Verhaltensweisen als pathologische Abweichungen eingestuft werden. Aktivitäten des Bündnisses seit 2013 Das Bündnis begann 2013 mit einer Kampagne zum Aufbau einer „Disability& Mad Pride Bewegung“. 2013, 2014 und 2015 wurden in Berlin Paraden zur Sichtbarkeit von „behinderten“ und „verrückten“ Menschen organisiert und mit großer Teilnehmer_innenzahl realisiert. Neben den Paraden gab es weitere öffentliche Veranstaltungen. 2016 fand an Stelle einer Parade eine Veranstaltung mit Bühnenshow in Berlin statt. 2017 fand eine Parade mit 1500 Teilnehmer*innen und einem umfangreichen Bühnenprogramm zum Abschluss statt. 2018 fand ebenfalls eine Parade statt an der ca. 1000 Menschen teilnahmen. Alle vergangenen Paraden und Veranstaltungen der letzten Jahre waren gut besucht und nachgefragt. Von den Teilnehmer*innen sowie von den Unterstützer*innen gab es häufig sehr positive Rückmeldungen zu der Veranstaltung. Besonders zeichnet die Parade aus, dass sie möglichst vielfältige Bedürfnisse bei der Organisation und Umsetzung berücksichtigt.

Das Bündnis ist ein hierarchiearmer  Zusammenschluss von Einzelpersonen, die behindertenpolitisch und psychiatriekritisch aktiv sind. Das Bündnis setzt auf einen eigenständigen Organisationsansatz, der „Behinderte“ und „Verrückte“ anspricht und Raum zur Vernetzung bietet. Nichtbehinderte und nichtbetroffene Menschen werden als Verbündete einbezogen.

Mit der Behindert und verrückt feiern Pride Parade wollen wir gegen die beschriebenen Entwicklungen protestieren. Mit der Aktionsform der Parade, die Gelegenheit zum Tanzen, Feiern, Austauschen aber auch zum Freudig, Wütend oder Traurig sein bietet, soll die Botschaft vermittelt werden, dass „Behinderung“ oder „Verrücktheit“ sein nichts per se Schlechtes oder mit Leid verbundenes ist. Gleichzeitig soll auf provokante Art gegen die eigentlichen Ursachen der Ausgrenzung protestiert werden. Mit der Behindert und verrückt feiern Pride Parade bieten wir Menschen die als „behindert“ oder „verrückt“ pathologisiert und ausgegrenzt werden die Gelegenheit, ihr Selbstbewusstsein auf den Straßen Berlins zu zeigen. Gleichzeitig wollen wir gegen den Fetisch von Leistung und einer willkürlich definierten Normalität und den Zwang zur Anpassung an diese Normen protestieren. Mit dieser Kombination sollen auch Menschen angesprochen werden, die sich auf klassischen Demonstrationen nicht wohlfühlen. Die Sichtbarkeit behindertenpolitischer und psychiatriekritischer Kämpfe soll erhöht werden: Sensibilisierung und Aufklärung der politischen Linken und der weiteren Öffentlichkeit über Erfahrungen, Ausgrenzungen und Forderungen von „behinderten“ und „verrückten“ Menschen. Auch eine stärkere Sichtbarkeit von Behinderung und „Verrücktheiten“ auch innerhalb anderer sozialer Bewegungen und Proteste soll erreicht werden. Die Parade soll eine Feier des Selbstbewusstseins und der bisher erkämpften Rechte der Betroffenen sein. In dem Prozess der Vorbereitung und Mobilisierung streben wir eine neue Vernetzung von Aktivist_innen an, die bisher gar nicht oder wenig zusammengearbeitet haben (z.B. Behinderte, Taube, Psychiatrisierte).