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„Das Interesse ist da, wir brauchen nur Räume, in denen wir uns wohlfühlen“

3. November 2020 15:03

nele.ilic

Letzten August durften wir den feministischen Hackspace Heart of Code e.V. mit 2.000€ fördern, womit der Verein den Ausbau des neuen Raums im Bethanien in Kreuzberg finanzieren konnte. Wir durften kürzlich vor Ort vorbeischauen, uns ein Bild vom frisch umgebauten Raum machen und uns mit den Vereinsmitgliedern Sandra und Lisa bei einem Quartiermeister-Bier über die Arbeit des Vereins und den Umbau unterhalten.

Lisa stellt uns das Projekt vor: „Die Heart of Code ist ein Hackspace für Frauen* in Berlin-Kreuzberg. Wir machen ganz viele tolle Sachen rund um Technik, Netzpolitik und Feminismus. Es gibt eine Gruppe, die einfach programmieren lernen will, eine, die sich mit IT-Security befasst, wir machen unterschiedliche Hackdays, wo wir einfach zusammenkommen, uns austauschen und an unseren eigenen Sachen arbeiten.“ Außerdem fährt die Heart of Code als Gruppe auf Tech-Veranstaltungen und bietet somit eine Bezugsgruppe, in der Frauen* gemeinsam auf solchen Events unterwegs sein kann, sagt Sandra.

Lisa erklärt uns, warum die Arbeit des Vereins so wichtig ist: „Allgemein sind die Technik-, IT- oder auch Spieleindustrie ziemlich männerdominiert und uns gibt es als Gegenpol dazu. Wir bilden eine Gruppe und sehen dann, nicht nur wir kämpfen mit Vorurteilen oder auch Alltagssexismus, sondern das ist ein Thema, das quasi alle betrifft. Und wir sind hier, um uns gegenseitig zu unterstützen, wir können uns beieinander auskotzen und Stärke aus unseren Netzwerken ziehen“ Sandra stimmt Lisa zu und ergänzt: „…oder können einfach nur in Ruhe hacken, ohne uns mit unserem Geschlecht auseinandersetzen zu müssen“. Auf die Frage, was an ihrem Ansatz so speziell und wirksam sei, sagt uns Sandra: „Was ich total interessant finde, ist, wenn ich auf Tech-Veranstaltungen gehe, die sich nicht speziell an Frauen richten, dann sind die per Default meistens Männerveranstaltungen. Und da könnte man meinen, ok, es liegt halt einfach daran, dass unter Frauen oder weiblich gelesenen Menschen da nicht so ein großes Interesse gibt. Wenn es aber Angebote gibt, die sich explizit an Frauen richten, dann haben die Wartelisten Wartelisten. Das Interesse ist da, es braucht halt einfach offensichtlich Räume, in denen wir uns wohlfühlen, und die auch niedrigschwellig zugänglich sind. Viele Frauen, die ich im Techbereich kennenlerne, haben da eine etwas andere Biografie als die männlichen Kollegen. Viele von uns haben bisschen später angefangen, und da ist es glaube ich wahnsinnig wertvoll, nicht in einen Raum reinzukommen, wo erst mal kritisch geguckt wird, was du für einen Texteditor hast - sondern wo halt erst mal jede willkommen ist, die ein grundsätzliches Interesse mitbringt.“

Die beiden erzählen uns von der Geschichte des Vereins, wie sie zunächst bei einem befreundeten Hackspace untergekommen sind und dann ihren ersten eigenen Raum in einer Remise in Kreuzberg hatten, mit einer 4 Meter hohen Leiter und ohne Heizung, fließendes Wasser, ohne Toilette. Anfang des Jahres sind sie nun im Bethanien angekommen und sind hier sehr glücklich. Lisa sagt, dass sie jetzt zwar einen schönen Raum haben, aber auch viel Kram, der irgendwie verstaut werden muss - da kommt die Förderung von Quartiermeister ins Spiel. Der Verein hat das Geld genutzt, um Material für den Umbau des Raumes zu kaufen. Die beiden zeigen uns ein großes Regal, das sie an die Decke gebaut haben und einen Stehtisch. Außerdem entstand noch eine Arbeitsplatte, die als Schreibtisch und auch als Liegefläche genutzt werden kann. Es ist sogar noch ein wenig Geld und Material übrig, womit die Heart of Code eine Sofalandschaft mit einem mobilen Stecksystem bauen möchte, die sie dann auch zu Veranstaltungen mitnehmen können.

Wie die meisten Projekte ist auch die Heart of Code durch die Corona-Krise in ihrer Arbeit eingeschränkt. Lisa sagt dazu: „Ich glaube, dass das Herzstück, wie wir mit unserer Community interagieren und auch wie wir uns präsentieren ist vor allem live und in Person, also diesen Safe Space nicht nur digital zu haben, sondern einen Raum zu bieten, in dem wir so sein können, wie wir sind, so nerdy, so geeky, keine Vorurteile. Deswegen war das schon immer so: Wir treffen uns im Space. Das war immer ein Kernstück von dem, was wir gemacht haben.“ Während viel von der Vereinsarbeit digital weiterlaufen konnte, mussten alle Veranstaltungen abgesagt werden.

Wenn ihr die Heart of Code unterstützen wollt, könnt ihr dem Verein Geld oder Hardware wie z.B. alte Laptops spenden, die der Verein dann für Workshops nutzen kann.

Warum Lisa und Sandra von Quartiermeister überzeugt sind? Dazu sagt Lisa: „Ich glaube Quartiermeister ist ein sehr passender Förderer, gerade auch für kleine Projekte, die auch Lokalbezug haben. Wir machen Workshops mit Leuten vor Ort, haben politische Meinungen zu Sachen vor Ort, wir finden es nicht cool, wenn große amerikanische Firmen kommen und versuchen, verschiedene Gebäude auszubauen oder neu zu bauen und damit die Kiezkultur verändern. Sondern, dass Kiezkultur dableibt, wie wir sie mögen. Und das auch zu unterstützen und zu erhalten, was noch da ist. Und natürlich schmeckt das Bier supergeil!“

Nach dem Interview verquatschen wir uns noch eine Weile mit Lisa und Sandra, wir trinken Helles und Pils, die Stimmung ist entspannt. Wir fühlen uns auf jeden Fall wohl in ihrem neuen Raum im Bethanien. Ein fettes Danke an die Heart of Code für ihre Arbeit und den schönen Abend!

Aus „regional“ wird „regional wirksam“

21. Oktober 2020 13:58

annika.bruemmer

Als Unternehmen, das sich selbst „Transparenz“ auf die Fahne schreibt, möchten wir euch darüber informieren, dass wir eines unserer sechs Prinzipien umbenannt haben. Das Prinzip „regional“ wird zu „regional wirksam“. Unsere Prinzipien sind uns sehr wichtig. An ihnen richten wir alle unsere Entscheidungen aus – deshalb finden wir es wichtig, euch die Hintergründe der Anpassung zu erläutern.

Die Umbenennung des Regionalitätsprinzips ist in der (Weiter-) Entwicklung von Quartiermeister begründet. Ursprünglich bedeutete für uns „regional“, dass wir ausschließlich mit regionalen Produzenten zusammenarbeiten, um wirtschaftliche Strukturen in der Region zu stärken und Lieferwege möglichst gering zu halten (wobei der Begriff „regional“ großen Interpretationsspielraum zulässt, eine konkrete Definiton gibt es nicht). Unser Produzent, die Brauerei, die für uns Quartiermeister nach unseren eigenen Rezepten braut, ist die Stadtbrauerei Wittichenau, welche sich in der Lausitz in Sachsen befindet, ca. 170 km von Berlin entfernt.  Anfangs haben wir Quartiermeister ausschließlich in Berlin verkauft, wo im Jahr 2010 alles begann. Wir hätten unser Bier natürlich lieber in Berlin produzieren lassen. Das war für uns jedoch keine Option, da es im Jahr 2010 keine unabhängige Brauerei gab, die nicht zur Radeberger-Gruppe gehörte. Wir wollen jedoch aktiv kleine und mittelständische Brauereien unterstützen, die dem zunehmenden Druck von Großkonzernen ausgesetzt sind. Eine eigene Brauerei aufzubauen ist nicht unser Ziel, da wir vorhandene Kapazitäten nutzen wollen. Das spart nicht nur (finanzielle) Ressourcen. Wir können so auch aktiv daran mitwirken, dass sich die Brauereien nachhaltig weiterentwickeln. Auf unser Streben hat sich bspw. die Stadtbrauerei Wittichenau bio-zertifizieren lassen, bezieht Öko-Strom und ist auf einen regionaleren Malz-Lieferanten umgestiegen.

Innerhalb der letzten zehn Jahre hat sich Quartiermeister stetig weiterentwickelt. Es kamen immer mehr Quartiere hinzu, in denen wir unser Bier verkaufen und in denen wir Projekte fördern können. Um an unserem Anspruch, so regional wie möglich zu wirtschaften, festzuhalten, haben wir eine weitere Kooperation mit der Genossenschaftsbrauerei Gut Forsting in der Nähe von München aufgebaut, die Quartiermeister-Bier für den Süden Deutschlands braut.

Mittlerweile gibt es Quartiermeister auch in entfernteren Quartieren, wie z.B. Wien und Köln. In diesem Fall legt unser Bier tatsächlich einen weiteren Weg zurück, sodass wir es nicht korrekt fänden, weiterhin von „regional“ zu sprechen. Der Antrieb für unsere Arbeit, die DNA von Quartiermeister, ist jedoch immer die Förderung sozialer und kultureller Projekte gewesen. Je mehr Bier wir verkaufen, desto mehr Projekte können wir fördern. Und das passiert genau dort, wo Quartiermeister getrunken wird. Wir möchten in diesem Prinzip also den Fokus auf die Wirkung unserer Arbeit legen. Und findet nicht am anderen Ende der Welt statt, sondern immer vor der Haustür – daher ist Quartiermeister „regional wirksam“.

Selbstverständlich bemühen wir uns trotzdem, weiterhin so regional wie möglich zu wirtschaften. Momentan laufen Gespräche mit einer möglichen Kooperations-Brauerei in der Mitte Deutschlands, durch die wir perspektivisch den Norden und Westen Deutschlands versorgen möchten.

 

Du hast die Haare schön (mit Quartiermeister)

20. Oktober 2020 14:26

annika.bruemmer

Liebe Leute, heute ist der Tag des Shampoos. Das feiern wir natürlich nicht so hart wie z.B. einen Weltfrauentag, aber trotzdem fühlen wir uns auf gewisser Weise angesprochen und verpflichtet, unser soeben neu erworbenes Wissen mit euch zu teilen, denn: Bier ist richtig gut für die Haare und ne echte Wunderwaffe.

Zugegebenermaßen hält sich unser Talent für Beauty-Tipps in Grenzen, aber durch ein wenig Recherche können wir euch hier ein paar DIY-Rezepte präsentieren. Achtung, wir haben die versprochenen Ergebnisse nicht am eigenen Haar validiert 😉

Die tolle Wirkung des Bieres auf unsere Hauptpracht liegt darin begründet, dass sich durch den leicht sauren pH-Wert die Keratinschuppen des Haares schließen. Außerdem enthält Bier Vitamin B und Pantothensäure, was das Haar geschmeidig machen soll. Der Geruch verfliegt (angeblich), sobald die Haare wieder trocken sind.

Solltet ihr für eure Beauty-Booster zu Quartiermeister greifen, dann beachtet bitte, dass sich für blonde Menschen ganz besonders unser Helles eignet, während Rothaarige eher zum Rotbier greifen sollten. Alle anderen Haarfarben sind mit unserem Original Pils gut bedient. Das bewährt sich schon seit 10 Jahren 😉

 

Shampoo

Man nehme einen Schluck Bier und vermenge ihn mit fünf Löffeln Heilerde. Alles fleißig in die nassen Haare und Kopfhaut einmassieren, kurz einwirken lassen, ausspülen. Peng!

 

Spülung

Man nehme eine halbe Flasche Bier und füge ihm einen Teelöffel Jojobaöl zu. Alles ins frisch gewaschene Haar einkneten, ein paar Minuten einwirken lassen und dann gründlich ausspülen. Wer Angst vor ner Fett-Friese hat – kein Sorge: Jojobaöl gehört zu den trocknenden Ölen und lässt (angeblich) keine strähnigen Haare zurück.

 

Kur

Man nehme eine viertel Flasche Bier und füge ihm irgendein Öl hinzu (Kokosöl, Olivenöl oder whatever). Anschließend die Suppe ins frisch gewaschene Haar einmassieren und für mindestens 15 Minuten unterm Handtuch-Turban einwirken lassen. Dann mit Shampoo auswaschen, sonst gibt’s den unerwünschten Fettkopf.

So, das wars aus der Quartiermeister Beauty-Redaktion. Habt einen tollen Tag und machts euch gemütlich. Falls ihr das ein oder andere Rezept mal ausprobiert, freuen wir uns über Fotos der Ergebnisse :-D

P.S. Die Rezepte stammen von www.bio-blog.de

 

Ein Pizzaofen für die Wilde 17

14. Oktober 2020 09:36

nele.ilic

An einem Freitagabend im Spätsommer besuche ich den Gemeinschaftsgarten „Wilde 17“ in Berlin-Gesundbrunnen. Der Garten ist gut besucht, es sind mehr Leute da, als ich erwartet hatte. Es ist schon frisch und wird langsam dunkel, aber in der Wilden 17 sind noch viele motivierte Menschen zugange, ein paar Künstler*innen bauen eine Bühne für eine Veranstaltung am Wochenende, mehrere Leute sind für den Bau des Lehmofens da, manche genießen auch einfach nur die gute Gesellschaft. Alle freuen sich über das kalte Quartiermeister-Bier, das ich mitbringe.

Ich werde von Janine empfangen. Sie gibt mir eine Führung durch den Garten, zeigt mir die üppig wachsenden Tomaten, Gurken, Salate, die kleine improvisierte Küche und das Gewächshaus. Es ist die dritte Saison, in der die Menschen hier im Garten aktiv sind. Seit 2016 verändert sich der Garten stetig. Seit letztem Jahr haben die Menschen um die Wilde 17 einen Nutzungsvertrag mit dem Bezirksamt, der jedes Jahr neu gemacht werden muss. Wenn jemand hier bauen will, muss das Projekt weichen, erzählt mir Janine, aber bis dahin gärtnert die Nachbarschaft hier. „Fast alle, die hier aktiv sind, kommen aus dem Kiez. Die meisten Leute finden uns, wenn sie hier zufällig vorbeilaufen. Der Garten hat keine festen Öffnungszeiten, aber im Sommer ist eigentlich immer jemand da“, sagt sie.

Mithilfe der Quartiermeister-Förderung bauen die Wilden Gärtner*innen jetzt einen Lehmofen, den sie für Pizzaabende benutzen wollen. Der Ofen soll noch fertig werden, solange es warm ist. Niemand hier hat Erfahrung mit dem Bau von Lehmöfen, aber Diego und Michi hatten Lust darauf, haben sich belesen und sich von den Mitgliedern des Gemeinschaftsgartens Himmelbeet im Wedding beraten lassen. Learning by Doing ist auch das Motto fürs Gärtnern bei den meisten Menschen in der Wilden 17. Günther, einer der Gründungsmitglieder, ist Botaniker und somit Experte, für viele andere ist es der erste Kontakt mit dem Gärtnern.
 Über den Lehmofen sagt Janine: „Die Idee ist, dass der Garten noch mehr zu einem Nachbarschaftstreffpunkt wird. Mit dem Pizzaofen können wir regelmäßige Termine zum gemeinsamen Pizzabacken festlegen. Dann besuchen uns noch mehr Leute, die vielleicht nicht zum Gärtnern vorbeikommen würden. Außerdem können wir dann das angebaute Gemüse direkt verarbeiten“. Diego ergänzt: „Und es kommen mehr Nachbar*innen, so kann mehr Austausch stattfinden. Man trifft Leute, die man sonst nicht treffen würde. Menschen kommen hier unabhängig von Alter, Bildungsstand oder Herkunft her.“

Der Garten soll aber nicht nur als Treffpunkt für die Nachbarschaft dienen, sondern hat auch einen pädagogischen Anspruch: der Garten arbeitet mit sozialen Trägern zusammen und wird häufig von Kindergruppen besucht. Auf die Frage, woran der Garten sonst gerade arbeitet, sagt Diego: „Als Ausländer finde ich es besonders wichtig, dass wir eine Brücke bauen zwischen der Deutschen und der Türkischen und Arabischen Community in der Nachbarschaft. Deswegen hatten wir dieses Jahr ein Fest zum Ramadan geplant, was durch Corona leider ausfallen musste. Außerdem wollen wir in Zukunft zu Veranstaltungen immer mehrsprachig einladen“.

Ich verlasse den Garten mit einem guten Gefühl. Und einer Box voll knackigem Gemüse. 
Wir Quartiermeister*innen finden es sehr wichtig, solche Orte in der Stadt zu erhalten und zu stärken und sind daher unglaublich froh, dass wir mithilfe der Quartiermeister-trinker*innen die Wilde 17 fördern durften!

Der Transparenzbericht Q2 ist da

21. September 2020 12:04

annika.bruemmer

Liebe Leute, wir haben die aktuellen Zahlen von unserem Steuerbüro erhalten und können endlich den Transparenzbericht für das zweite Quartal 2020 veröffentlichen. Dieser Bericht ist wohl einer der interessantesten der letzten Jahre, denn er zeigt deutlich, was für Spuren Corona hinterlassen hat.

Während wir mit einem wahnsinnig erfolgreichen ersten Quartal ins Jahr gestartet sind und im Vergleich zum Q1/2019 über 30 % mehr Bier verkauft haben (Q1/2019: 91.970 Liter, Q1/2020: 122.200 Liter), kam dann im zweiten Quartal wie erwartet der Einbruch: Waren es im zweiten Quartal 2019 noch 141.559 Liter, die wir unter die Leute gebracht haben, sieht es mit 81.700 Litern aus Q2/2020 eher mau aus. Was uns am meisten trifft, ist die Tatsache, dass das zweite Quartal die wichtigste Zeit des Jahres für uns darstellt, denn in diesen Monaten verkaufen wir im Regelfall am meisten und sammeln wichtige Einnahmen, die uns über die trüberen Wintermonate tragen. Wäre das Jahr so weitergelaufen, wie es anfangs aussah (und ohne Corona), wären wir vermutlich irgendwo bei 184.000 verkauften Litern angekommen (das entspräche einer Zunahme von 30 %), also knapp 100.000 Liter mehr als wir es letztendlich umsetzen konnten.

Das ist natürlich bitter, aber immer noch nicht ganz so gravierend, wie wir es anfangs angenommen haben, denn die Different der verkauften Liter aus Q2/2019 und Q2/2020 beträgt „nur“ 62.859 Liter. Das sind knapp 43 %, wobei wir natürlich eine Steigerung (wie auch im 1. Quartal) eingeplant hatten.

Aus Unternehmenssicht mussten wir wegen der Umsatzeinbrüche sofort die richtigen Maßnahmen ergreifen: Kurzarbeit und Ausgabenstopp für alle nicht unbedingt notwendige Anschaffungen. So haben sich beispielsweise unsere Personalkosten signifikant verringert und sind von 90.205 € (Q1/2010) auf 36.790 € (Q2/2020) und damit um fast zwei Drittel gesunken.

Aus Vereinssicht sind die Einbrüche der verkauften Literanzahl ebenfalls deprimierend, denn der soziale Gewinn – also das Geld, das in die Projektförderung für das anstehende Jahr fließt – ist unmittelbar an die verkaufte Literzahl gekoppelt. Das bedeutet also, dass durch das zweite Quartal 2020 viel weniger Fördergelder zusammengetrunken wurden als geplant: Waren es im zweiten Quartal 2019 noch 14.156 €, die in den Fördertopf geflossen sind, kamen in Q2/2020 lediglich 8.170 € in den Pott. Wäre das Jahr wie geplant gelaufen, wären allein von April bis Juni 18.400 € Fördergelder zusammengekommen.

Anyways, trotz ein wenig feuchter Augen, die darauf basieren, dass wir uns vorstellen, wie es ohne Corona hätte sein können, sind wir ganz zufrieden, wie sich die Zahlen für Quartiermeister aktuell entwickeln. Der jetzige Absatz ist einigermaßen stabil und ist ungefähr auf dem Niveau des letzten Jahres. Die Zahlen geben auch her, dass wir - mit Blick auf die Wintermonate und steigender Infektionszahlen - langsam wieder mit der Projektförderung loslegen können. Wir starten in Leipzig (Bewerbungsfrist 20. Oktober) und in Stuttgart (Bewerbungsfrist 1. Dezember). Mehr dazu lest ihr hier.

Die Förderung startet wieder – In diesen Städten geht's los!

14. September 2020 12:40

lisa.wiedemuth

Am 7. März - genau eine Woche vor dem Lockdown - trafen sich unsere Vereinsmitglieder in Berlin, um die zusammengetrunkene Förderung von 55.000€ auf das Förderjahr 2020/21 zu verteilen. Aufgrund der Pandemie und den damit verbundenen Liquiditätsverlusten des Unternehmens wurde dieses Geld kurz darauf eingefroren. Seit Anfang September ist klar: Die finanzielle Situation der GmbH erlaubt es, wieder zu starten. Wir halten dabei an den 10 Cent pro Liter und den beschlossenen Fördertöpfen pro Stadt fest und sortieren lediglich die Zeiträume neu. Gestartet wird mit der Projektförderung in Leipzig (3.000€) und Stuttgart (1.000€). Hier findet ihr alle weiteren Informationen zum Verfahren.

In der Regel plant der Quartiermeister e.V. Anfang März das komplette Förderjahr, welches Anfang April startet und bis Ende März des Folgejahres reicht. In diesem Zeitraum findet jeden Monat eine Förderung in einem anderen Quartier statt. 2020 hat dieser längerfristigen Planung einen Strich durch die Rechnung gemacht. Derzeit müssen wir es uns erlauben, zeitnah und flexibel auf Veränderungen zu reagieren und unsere Förderpläne anzupassen. Aus diesem Grund werden die Förderrunden und damit verbundenen Bewerbungsfristen nun quartalsweise beschlossen und bis in die Mitte des Jahres 2021 reichen. Fest steht bereits, wieviel Geld welchem Quartier pro Projekt bzw. welchem Fördertopf zur Verfügung steht. Projekte können sich von daher jederzeit initiativ bewerben. Hier ein transparenter Überblick über unsere beschlossenen Fördertöpfe:

 

Leipzig startet mit 3.000 - Bewerbungsfrist 10. Oktober 2020

Der Förderrunden im nächsten Quartal sind nun beschlossen. Das Quartier Leipzig beginnt und ruft alle sozialen Initiativen auf, sich bis zum 10. Oktober über unser brandneues Online-Formular zu bewerben. Im November dürfen dann alle wieder fleißig auf unserer Homepage mitvoten, welche drei Projekte mit jeweils 1.000€ gefördert werden. Alle weiteren Informationen zu Bewerbung findet ihr hier!

 

Stuttgart fördert zum ersten Mal und sucht Mitstreiter*innen

Und auch Stuttgart ruft nach dem Vertriebsstart im letzten Jahr erstmalig zur Bewerbung auf. Hier liegen insgesamt 1.000€ im Topf. Gefördert werden zwei Initiativen mit jeweils 500€. Bewerbungsfrist ist hierbei der 1. November 2020. Hier geht’s zur Bewerbung.

Zum Aufbau des Quartiers und zur Entscheidung, welche Projekte zur Onlineabstimmung zugelassen werden, suchen unsere Ehrenamtlichen Melissa und Julian in Stuttgart noch Mitstreiter*innen. Du hast Lust dich für das Gemeinwohl in deiner Stadt einzusetzen? Dann melde dich unter mitmachen@quartiermeister.org. Hier erfährst du, was unser Verein sonst noch treibt und wie man sich engagieren kann!

 

Und so geht's weiter

Anfang November entscheiden wir wieder gemeinsam in welchen Quartieren wir zwischen Januar und März 2021 fördern werden. Unser 2. Quartiermeisterstipendium für ein besonders herausragendes Projekt in Berlin wird höchstwahrscheinlich im kommenden Frühjahr umgesetzt. Transparenz gilt für uns gerade in Zeiten von schneller und flexibler Entscheidungsfindung als höchstes Prinzip. Wir werden euch von daher stets über unsere neusten Entwicklungen informieren. Ihr habt Lust, über die Neuigkeiten rund um unsere Projektförderung informiert zu werden? Dann tragt euch hier in unseren Projektnewsletter.

Aufgrund der wachsenden Fördersummen und der damit verbundenen Verantwortung als Verein schlüsseln wir euch außerdem jährlich die Verwendung unserer Gelder transparent auf. Seht hier im Vergleich was wir im letzten Jahr eingenommen und ausgeschüttet haben!

 

Quartiermeister goes Köln

10. September 2020 11:40

annika.bruemmer

Liebelein, schön, dat de do bess! So, oder so ähnlich klingts in Köln, denn: Trommelwirbel – Quartiermeister gibt’s nun live vor Ort und auf natürlichem Wege in Kölle zu kaufen. Wir starten klein und fein, dafür aber volle Pulle mit dem Jazzkiosk, wo direkt alle sechs Sorten verfügbar sind.

Außerdem könnt ihr euer neues Lieblingsbier bei Kölsch und mehr bestellen und euch direkt nach Hause liefern lassen.

Zu danken haben wir dem lieben Gottfried, der Quartiermeister die ersten Wege durch NRW bahnt und uns seit Kurzem im Vertrieb in Köln unterstützt.

Ihr findet, Quartiermeister muss es in viel, viel mehr Kölner Läden geben? Finden wir auch, denn nur wenn Köln zur Flasche greift, können auch vor Ort Projekte gefördert werden. Falls ihr also den ein oder anderen Tipp habt, dann meldet euch gerne direkt bei Gottfried unter: gottfried.mössinger@quartiermeister.org.

Corona-Talk mit Lisa: "Die Förderung wird aufrecht erhalten. Wir werden sie nur zeitlich verschieben"

7. September 2020 10:06

annika.bruemmer

Lisa zählt quasi zu Quartiermeisters Inventar. Sechs Jahre lang arbeitete sie für die GmbH – zunächst als Praktikantin, dann als studentische Hilfskraft und Vollzeitkraft. Letztes Jahr zog es sie für ein Masterstudium nach Görlitz. Von dort aus rockt Lisa die Vereinskoordination weiß auf alle Fragen rund um unsere Projektförderung die passende Antwort.

Was hast du gedacht als du zum ersten Mal von Corona in den Medien gehört hast?

Ich habe das Ganze fast schon täglich ab Dezember verfolgt als es in China losging. Damals habe ich gedacht, dass Corona etwas sehr Ernstes aber Fernes ist. Ich hatte größere Sorgen als mein persönliches Umfeld. Mir nahestehende Personen haben mich teilweise für verrückt erklärt und mir geraten, meinen Medienkonsum zu überdenken. Durch die tägliche Information habe ich die überwältigende Dynamik von Beginn an als Bedrohung wahrgenommen, die immer näher rückt und die keine*r so richtig ernst nimmt.

 

Das heißt, du hast Corona schon relativ früh als Bedrohung angesehen?

Ja, wobei das eher eine abstrakte Angst war. Ich hatte keine Angst davor, selbst zu erkranken. Ich hatte Angst davor, dass eine globale Krise entsteht, dass die Wirtschaft kracht und dass das erhebliche soziale Folgen mit sich bringt. Als es dann immer ernster wurde, war ich echt froh, in Deutschland zu leben. Ich kann mich trotz der Umstände auf ein starkes Gesundheits- und Sozialversicherungssystem verlassen, auf Politiker*innen, die verantwortungsvoll mit diesem Thema umgehen. Ich habe einige Freund*innen in Italien und kannte die Situation vor Ort. Ich hatte nie die Angst, dass hier Verhältnisse wie in Norditalien eintreten würden. Aber ich hatte ein riesiges Mitgefühl für das Leid in dieser Region.

 

Du bist als studentische Mitarbeiterin bei Quartiermeister für den Verein angestellt und koordinierst die Vereinsmitglieder und die Förderung. Welche Auswirkungen hatte Corona auf deine Arbeit?

Der Zeitpunkt des Lockdowns hätte nicht ungünstiger sein können. Eine Woche zuvor, am 7. März, fand in Berlin unsere Jahreshauptversammlung statt, zu der sich alle Mitglieder aus Deutschland trafen, um die 55.000 € Fördergelder für 2020 auf die verschiedenen Fördertöpfe zu verteilen. Anfang März war also eigentlich eine Periode des Aufbruchs, wo ich dachte: „Jetzt geht’s los! Das Fördergeld wächst! Unsere Wirkung wird immer größer!“ Die Jahreshauptversammlung hat bei mir eine so starke Motivation ausgelöst, auch weil so viele neue Gesichter dabei waren, aus München, aus Stuttgart, aus Halle. Alles Ehrenamtliche, die in den Startlöchern standen und sich für die Förderung des Gemeinwohls in ihrer Stadt einsetzen wollten.

Und dann kam diese E-Mail von Peter und David, aus der ersichtlich wurde, dass Corona riesige Auswirkungen auf Quartiermeister haben wird. Ich sehe heute noch die Zahl vor mir: 80% Umsatz über die Gastronomie, der auf einen Schlag wegfallen kann. Das hat bei mir extreme Panik ausgelöst. Ich glaube, ich hab mich dann erstmal auf’s Bett geschmissen und geheult.

Der Austausch danach war aber sehr transparent, verständnisvoll und beruhigend. Gespräche helfen mehr als tausend E-Mails. Die Projektförderung wurde dann nach einer Entscheidung zwischen dem Vorstand des Vereins und der Geschäftsführung der GmbH erst einmal auf Eis gelegt, weil wir durch die kommenden Umsatzverluste nicht zahlungsfähig gewesen wären und erstmal die Arbeitsplätze schützen wollten.

Für mich hat das bedeutet, dass meine eigentliche Arbeit – nämlich Projekte fördern – nicht mehr existierte. Da kam dann gleich die nächste existenzielle Angst. Ich bin wieder Studentin und finanziere mich mit Jobs und Projekten, die man hier und da bekommt. Quartiermeister war nicht das Einzige in den zwei Monaten, was von einem Moment auf den anderen zu entgleiten schien. Ich hatte mir Anfang März ein riesiges Whiteboard gekauft, auf dem ich meine ganzen Jobs und Aufgaben koordinieren wollte. Naja, das Whiteboard ist dann einfach weiß geblieben, das war ein deprimierender Anblick (lacht). Die finanzielle Unsicherheit hat mir eine Zeit lang richtig, richtig doll zu schaffen gemacht. Meine Familie ist sofort in die Bresche gesprungen, das ist ein großes Privileg, das danke ich ihnen sehr, aber mit 27 fühlt sich das nicht so geil an.

Auch der Quartiermeister Verein hat mich unterstützt und gesagt, dass er meine Stelle halten wird. Ich habe mich dann mit Dokumentationsarbeit und Liegengebliebenem beschäftigt. Ein großer Teil meiner Zeit ist dafür drauf gegangen, Kontakt zur Geschäftsführung und zum Vorstand zu halten, um alle getroffenen Entscheidungen transparent an die Vereinsmitglieder zu kommunizieren. Ich habe außerdem die „Wertuellen Kneipenabende“ auf Instagram Live ins Leben gerufen. Dort haben wir mit verschiedenen Expert*innen über Wertewandel in unserer Gesellschaft gesprochen. Das war für mich eine gute Ablenkung, eine Art Beschäftigungstherapie und rettete mich vor einer sinnlosen Leere, vor der ich die ganze Zeit Angst hatte. Anderen Leuten ging es natürlich viel schlechter. Die hatten mit ganz anderen Dingen zu kämpfen, das habe ich mir immer vor Augen gehalten. Aber schon krass, wieviel Selbstwert und Identität in einer sinnerfüllenden Arbeit steckt.

 

Die Förderung wurde nun durch die Umsatzeinbußen erst einmal auf Eis gelegt. Was denkst du darüber? Und was denken die anderen aus dem Verein?

Total spannend fand ich, dass niemand aus dem Verein die Entscheidung, die Förderung einzufrieren, angegriffen hat. Alle wussten: Wenn es der GmbH schlecht geht, geht’s auch dem Verein schlecht. Diese riesengroße Solidarität, dieses An-einem-Strang-Ziehen habe ich vorher noch nicht so erlebt. Als Kontrollorgan der GmbH wurden früher durchaus mal unternehmerische Entscheidungen vom Verein hinterfragt oder kontrovers diskutiert. Diese Notbremse fanden alle berechtigt.

Wir haben natürlich auch besprochen, auf welcher Entscheidungsgrundlage wir die Förderung wieder starten können. Denn es handelt sich ja um Geld, das im Jahr zuvor – also 2019 – zusammengetrunken wurde. Gleichzeitig hängt alles vom Cashflow des Unternehmens ab. Ich denke, für den Verein ist es ideell sehr wichtig, die Fördersumme und die beschlossenen Töpfe aufrecht zu erhalten und das Ganze nur zeitlich zu verschieben. Seit einer Woche ist klar, dass wir die Förderung ab Oktober langsam wieder hochfahren können. Das freut mich riesig! Wir starten in Leipzig und dann im November in Stuttgart. Alle drei Monate werfen wir einen Blick auf die Liquidität und bestimmen die Förderrunden für das nächste Quartal. Es bleibt also erstmal alles beim Alten und Beschlossenen, nur dass wir keinen Jahresplan, sondern einen Quartalsplan verfolgen, um flexibel auf Änderungen zu reagieren.

 

Wie empfandest du die Kommunikation zwischen GmbH und Verein? Inwiefern wurde der Verein in Entscheidungen involviert?

Ein Großteil des Austauschs fand tatsächlich zwischen Geschäftsführung und Vorstand des Vereins statt. In der Anfangszeit war das gefühlt jede Woche. Die Entscheidungen wurden gesammelt und mit einer Feedbackschleife an den Verein weitergegeben. In einer Online-Mitgliederversammlung haben wir dann nochmal ausführlich über die Entscheidungen gesprochen. Gerade am Anfang mussten finanzielle Entscheidungen schnell und gezielt getroffen werden, da konnten wir schwer fünfzig Menschen aus über fünf Städten im Prozess involvieren.

 

Du wohnst in Görlitz und bist neben deiner Arbeit bei Quartiermeister auch mit anderen Projekten beschäftigt. Wie ist es für dich, die Corona-bedingten Veränderungen bei Quartiermeister aus der Ferne mitzuerleben?

Am Anfang hat es wie gesagt zu einer riesigen Verunsicherung geführt. Die GmbH hat montags immer ihre Meisterrunde, in der sich alle austauschen können. Da bin ich aufgrund meiner Vereinstätigkeit aber nicht persönlich dabei, sondern lese nur Protokoll. Geschriebene Fakten tun dann eben mehr weh, als das gesprochene Wort. David hat mir angeboten, dazuzukommen und einfach mitzureden. Aber ich hatte das Gefühl, meine Unsicherheit lieber mit mir selbst auszumachen oder in Vier-Augen-Gesprächen zu teilen, als in einer großen Runde.

 

Wie fühlt es sich an, als Studentin von verschiedenen Jobs und Projekten abhängig zu sein?

Das Problem war, dass meine anderen Jobs ausschließlich Festivals betrafen. Es war Ewigkeiten unklar, ob diese Veranstaltungen stattfinden können. Das heißt ich habe auf etwas hingearbeitet, von dem ich gar nicht wusste, ob das stattfinden wird oder ob ich überhaupt bezahlt werde. Wenn man als zugegebenermaßen etwas ältere Studentin nicht vom Amt oder den Eltern abhängig sein möchte, dann hat man oft viele, prekäre Arbeitsverhältnisse. Wenn ein Dominostein umfällt, dann macht der gesamte Finanzplan keinen Sinn. So war das bei mir. Es hat sich im Mai dann jedoch glücklicherweise aus dem Nichts eine andere Job-Option aufgetan. Im Nachhinein ein Glücksgriff.

 

Bei Quartiermeister geht es nicht nur um Bier und die eigenen Leute, sondern auch um soziale Projekte. Wie schätzt du die Auswirkungen von Corona auf die Projektlandschaft ein?

Ich denke, die Auswirkungen betreffen zwei Dimensionen. Die erste Dimension umfasst die Folgen für die Projekte selbst. Ihnen fehlt Geld durch entgangene Veranstaltungseinnahmen, oder projektbezogene Fördermittel. Manche Initiativen decken sich über das gesamte Jahr nur mit Projektförderungen und zahlen damit anteilig laufende Nebenkosten wie bspw. Mieten. Wenn diese Einnahmen fehlen, wird es sehr schnell existenziell.

Die zweite Dimension geht über die Projekte hinaus und umfasst die Folgen für die Gesellschaft, wenn sich diese Projektlandschaft ausdünnt. Ich finde die Quartiermeister-Förderung gerade so toll, weil es um Projekte geht, bei denen Menschen zusammenkommen, die gesellschaftlich etwas verändern wollen. Leute, die sich für Nachhaltigkeit oder ihre Nachbarschaft einsetzen. Häufig trifft man auf das Vorurteil, dass die Wirkung dieser kleinen Projekte sehr gering und lokal ist. Ich bin aber der Meinung, dass der notwendige Wandel, in Bezug auf die Frage „Wie können wir uns hin zu einer nachhaltigen Gesellschaft entwickeln?“, gerade nur im Kleinen, also in der Lebenswelt der Menschen stattfinden kann. Überall dort, wo Menschen freiwillig zusammenkommen und etwas ändern möchten, um ihre Selbstwirksamkeit zu erfahren. Wenn solche Orte des spontanen und zivilgesellschaftlichen Zusammentreffens verloren gehen, gehen nicht nur gehörige Veränderungspotenziale, sondern auch der gesellschaftliche Zusammenhalt verloren.

 

Kannst du etwas Positives aus der Krise für dich und für Quartiermeister ziehen?

Ich fange mal bei mir an. Für mich persönlich war der Lockdown nach der ängstlichen Anfangszeit ein Moment, in dem ich feststellte, es ist auch gut, mal Dinge zu tun, die keinen höheren Sinn verfolgen. Ich bin zudem ein Mensch, der gern längerfristig plant und das auch auf Arbeit erwartet. Mich hat es wahnsinnig gemacht, wenn Menschen sich nicht an Absprachen gehalten haben oder tausend Sachen in letzter Sekunde veränderten. Durch Corona habe ich gemerkt, dass ich damit doch umgehen kann. Entscheidungen und Fristen über den Haufen zu werfen tut nicht mehr so weh.

Außerdem wurde meine Fernbeziehung – mein Freund wohnt noch in Berlin - über einen längeren Zeitraum eine Nahbeziehung und das Aufeinanderhocken tat richtig gut.

Für Quartiermeister glaube ich, dass die Motivation, für das Gute zu kämpfen, im Team noch weiter gewachsen ist. Bullshitjobs lassen sich in Kurzarbeit gut aufgeben, bei Quartiermeister haben alle zusammengehalten und sich trotz der persönlichen Belastungen als eine Gemeinschaft verstanden. Corona hat gezeigt, wie anfällig unser wachstumsbasiertes Wirtschaftssystem bei Krisen ist, wie schnell Finanzmärkte reagieren, wie schnell die Arbeitslosenzahlen nach oben schießen und auf wen eigentlich im Endeffekt Verlass sein muss. Ich hoffe sehr, dass der temporäre, starke Verzicht nicht dazu führen wird, dass im Nachhinein alle komplett ausrasten werden, sondern grundsätzlich mit weniger auskommen. Aber da scheiden sich ja die Geister. Ich glaube jedenfalls, dass ein Wirtschaftssystem, in dem es in erster Linie um Gemeinwohl und Kooperation geht, nicht um Konkurrenz, Konsumwahnsinn oder Wachstumszwang, belastbarer wäre und soziale Folgen besser abgefedert werden. Wäre jetzt mal ein guter Moment, sich ausführlicher mit möglichen Systemalternativen zu befassen.

 

Wie wahrscheinlich hältst du es, dass die zweite Welle kommt und was würdest du im Falle einer zweiten Welle anders machen?

Ich denke, in Deutschland befinden wir uns schon in der zweiten Welle. Ich muss meine Wut auf Corona-Leugner*innen und selbsternannte Freiheitskämpfer*innen zügeln. Mein Verständnis hält sich da stark in Grenzen, meine Geduld in Gesprächen ebenfalls. Ich persönlich habe kein Problem damit, mich wieder in Quarantäne zu stecken. Ich habe kein Problem damit, mich zum Wohle anderer einzuschränken. Und was für eine Freiheitsbeschränkung ist bitte eine Maske im Supermarkt? Was ich allerdings anders machen würde, ist nicht mehr alle zwei Stunden irgendwelche Zahlen online zu checken, wie viele Menschen sich jetzt wie und wo infiziert haben. Das hat mich wirklich ein bisschen wahnsinnig gemacht.

 

Quartiermeister goes Österreich – jetzt in Wien für den guten Zweck trinken

2. September 2020 13:52

annika.bruemmer

Mit kleinen, aber feinen Schritten bahnt sich Quartiermeister seinen Weg in die Alpenrepublik. Seit kurzem könnt ihr den besten Gerstensaft in Wien zu euch nehmen und so zum guten Zweck „beitrinken“. Vorerst beschränkt sich die Verfügbarkeit auf das Cafe Schopenhauer, die Nelke und dem Zweistern. Bei den juicebrothers könnt ihr außerdem direkt bestellen und euch unser Bier direkt vor die Haustür karren lassen.

Alle weiteren Entwicklungen könnt ihr natürlich auf unserer Bier gibt’s hier-Map verfolgen.

Verantwortlich für den ersten Schritt über die deutsche Grenze ist Walter, unser neuester Quartiermeister. Walter ist Kellner, Barkeeper, Veranstalter und (gesellschafts-)politischer Aktivist in einem und unterstützt uns seit einigen Wochen im Vertrieb innerhalb Wiens.

Darauf ein Prost, Baba und #zumwohlealler

Corona-Talk mit Benni: "Mein Arbeitsvertrag wurde mitten im knallharten Lockdown verlängert"

2. September 2020 12:52

annika.bruemmer

Benni ist unsere Münchner Vertriebsmaschine und hält in Bayern die Fahne hoch. Offiziell wäre Bennis Vertrag während des Lockdowns ausgelaufen. Trotz Kurzarbeit und düsteren Prognosen wurde dieser verlängert – juhey! Wie die letzten Monate für Benni waren, lest ihr im Interview.

Was hast du gedacht als du zum ersten Mal von Corona in den Medien gehört hast?

Zuerst habe ich mir nicht wirklich etwas dabei gedacht. Das ist ja leider oft so. Krisen, die in anderen Ländern oder auf anderen Kontinenten vorherrschen, scheinen so weit weg. Man hat den Eindruck, dass es einen selbst gar nicht betrifft, geschwiege denn die eigene Comfort-Zone oder die eigene Gesundheit …

 

Ab wann hast du Corona als Bedrohung für dich, deine Freunde und Familie und auch für Quartiermeister angesehen?

Ich hatte das erste Mal ein mulmiges Gefühl, als der erste Corona-Fall in Deutschland – der war ja sogar bei München – aufgetreten ist. Zeitgleich haben wir Quartiermeister auf die ISPO, eine sehr große Messe in München, geschickt. Dort gab es schon ein Hygiene-Konzept mit vielen Desinfektions-Stellen. Trotzdem habe ich mir die Wochen danach immer noch nicht viel bei Corona gedacht. Der Knackpunkt kam dann tatsächlich aus dem beruflichen Feld, als es hieß, dass wir ab April alle in Kurzarbeit gehen werden. Das war Mitte März. Dann habe ich endlich gecheckt: Hoppla, das ist eine wirkliche Bedrohung. Vor allem habe ich mir dann Sorgen um meine Eltern gemacht, die genau in die Risikogruppe fallen.

 

Du bist seit Mai 2019 bei Quartiermeister und hattest zunächst einen befristeten Vertrag, der Mitte Mai ausgelaufen wäre. Er wurde jedoch verlängert. War das überraschend für dich in Anbetracht der kritischen Lage, in der sich Quartiermeister zu dem Zeitpunkt befand?

Ganz grundsätzlich habe ich mich ab Sekunde Null mit den Werten von Quartiermeister identifizieren können. Anders kann man wahrscheinlich auch gar kein Bier verkaufen. Also hinter dem man nicht steht. Ich habe dann schnell gemerkt, dass Quartiermeister diesen solidarischen, kollektivistischen Gedanken nicht nur nach außen trägt, sondern auch nach innen lebt. Das hat sich mit der Vertragsverlängerung mitten im knallharten Lockdown noch mal kondensiert abgezeichnet. Das hatte viel mit Wertschätzung zu tun. Es wäre für Quartiermeister leicht gewesen, zu sagen: München ist noch im Aufbau, da läufts noch nicht so wie in Berlin, das kappen wir jetzt. Das wurde aber nicht gemacht. Und das hat mir noch einmal gezeigt, wie geil Quartiermeister nach innen und nach außen funktioniert.

 

Hattest du Angst, dass dein Vertrag nicht verlängert werden würde?

Angst ist vielleicht ein zu großes Wort, aber natürlich habe ich mir Gedanken gemacht. Dadurch, dass für Quartiermeister auf einmal finanzielle Probleme durch Corona entstanden sind, habe ich schon gezweifelt, ob die Münchner Vertriebsstelle überhaupt wichtig genug ist. Aber richtige Angst war das wahrscheinlich nicht.

 

Du bist für den Vertrieb von Quartiermeister in München zuständig. Dort ist das Bier weit weniger etabliert als in Berlin oder im Osten Deutschlands. Es liegt also noch eine Menge Arbeit vor dir. Würdest du sagen, dass Corona dir diese Arbeit zusätzlich erschwert hat?

Stimmt, München und der Süden im Allgemeinen ist im Aufbau. Es gab zwar vor mir auch schon Quartiermeister in München, allerdings nie mit einer Vollzeit-Vertriebsstelle. Dadurch dass durch mich mehr Stunden zu Verfügung standen, konnte innerhalb des letzten Jahres auch mehr passieren. Wir haben seit 2019 ein Lager (lacht). Wir haben nach Jahren endlich einen Händler in München. Das waren Strukturen, die schon vor Corona aufgebaut wurden. Insofern hat Corona den Aufbau in München nicht erschwert, es hat ihn nur stillgelegt.

 

Wie hat sich deine Arbeit verändert als die gesamte Gastronomie erst mal dicht gemacht hat?

Als der Gastro-Stillstand kam, war das krass, aber ich habe diesen Schritt für die richtige Maßnahme gehalten. Trotzdem war das natürlich ein richtiges Brett. Aber da Quartiermeister in München mittlerweile auch im Bio-Einzelhandel vertreten ist, habe ich mich einfach mehr darum gekümmert. Die wenigen Stunden, die ich wegen Kurzarbeit zur Verfügung hatte, wurden durch die Betreuung des Bio-Einzelhandels gut gefüllt. Das war auch sehr betreuungsintensiv, weil der Lebensmitteleinzelhandel mit ganz anderen Problemen konfrontiert war. Würde Quartiermeister Mehl oder Hefe machen, hätten uns alle Läden unsere Produkte abgekauft, aber Bier stand da nun mal nicht ganz so weit oben auf der Liste. Da galt es dann, Überzeugungsarbeit zu leisten, dass wir als Sozialunternehmen gerade in so einer Phase auch Unterstützung vom Handel brauchen. Meine Arbeit hat sich also von der Gastro eher zum Bio-Handel verschoben. Nicht zu vergessen sind natürlich Kioske und Getränkemärkte, die während des Lockdowns tapfer die Stellung gehalten haben. Schon vor Corona waren das wichtige Vertriebskanäle, sind aber auf einen Schlag noch mehr in den Fokus gerückt.

 

Wie schätzt du die Auswirkungen von Corona auf deine zukünftige Arbeit ein? Machst du irgendetwas anders? Gibt es ggf. auch positive Entwicklungen?

Was mir im klassischen Verkaufsgespräch wirklich positiv auffällt, ist das Verständnis füreinander. Irgendwie hocken doch alle im gleichen Boot. Das finde ich positiv, dass man schnell auf einer Ebene ist. Ich kann den Gastronomen besser verstehen und er mich. Ganz grundsätzlich habe ich in den letzten zwei bis drei Monaten die Erfahrung gemacht, dass sich Gastronomen mehr Zeit nehmen und auch die Qualität von guten Produkten wertschätzen. Das hat wahrscheinlich auch etwas damit zu tun, dass über die Corona-Krise ein Spotlight auf die Lebensmittelindustrie gefallen ist, also wie schlimm da teilweise die Bedingungen sind. Umso mehr wissen Leute jetzt wertzuschätzen, was ein gutes Produkt ausmacht.

 

Du bist neben der Vereinszelle der einzige Quartiermeister in München. Wie ging es dir denn als Einzelkämpfer als plötzlich die Uhren stehen blieben?

Ich habe da wirklich eine positive Entwicklung erkannt, einfach, weil wir noch enger im Austausch standen. Die Berliner*innen haben montags ja immer ihre Meisterrunde um 10 Uhr. Daran konnte ich als Münchner natürlich nie teilnehmen. Und jetzt bin ich dabei – weil die Meisterrunde digital ist. Das finde ich geil! Das ist ein toller Start in die Woche und schon allein die halbe Stunde jeden Montag zu hören, wie es den Kolleg*innen geht, macht Spaß und ich fühle mich weniger allein (lacht). In der Münchner Vereinszelle wars die letzten Monate auch sehr still. Jetzt gabs aber kürzlich wieder ein Vereinstreffen, was schön war. Da haben wir auch mal wieder schön gesoffen (lacht). Das hat gutgetan.

 

Quartiermeister würde gerne – wenn es die Zahlen erlauben – im vierten Quartal die Förderung wiederaufnehmen. Wie geht’s dir damit, zu wissen, dass in München dieses Jahr bislang noch keine Fördergelder ausgeschüttet werden konnten?

Ja, das ist natürlich scheiße, denn deshalb gehe ich schließlich jeden Tag ausm Haus. Ich verkaufe Bier, um damit Fördergelder für Projekte einzusammeln. Ich gehe nicht für vermeintliche externe Investoren raus, sondern für die Projekte. Das ist natürlich doof, wenn ich dann dieses Verkaufsargument nicht mehr habe. Aber tatsächlich versteht das auch jeder, dass wir bislang wegen des Liquiditätsengpasses nicht fördern konnten. Es macht nur Sinn, die Förderung erst einmal auf Eis zu legen. Ich freue mich aber natürlich, wenn es dieses Jahr noch klappt.

 

Was würdest du im Falle einer zweiten Welle und einem zweiten Lockdown anders machen?

Boah, mehr Klopapier und Nudeln kaufen (lacht)? Nee, also ich würde wahrscheinlich nichts anders machen. Ich würde versuchen, entspannter zu sein. Ich mein, wir waren alle auf einmal in Kurzarbeit, auch weil es einfach keine Arbeit mehr für uns gab. Trotzdem stand ich irgendwie mehr unter Strom als während einer 40-Stunden-Woche. Im Falle einer zweiten Welle würde ich versuchen, mehr runterzukommen und entspannter zu sein.

 

Möchtest du noch etwas loswerden?

Ich hoffe, dass die Anzahl an Spinnern, die gegen Maskenpflicht demonstrieren, nicht weiterwächst. Außerdem möchte ich an die Vernunft appellieren: Alle Leute sollen bitte weiterhin vorsichtig sein. Und natürlich viel Quartiermeister trinken.