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Corona-Talk mit Tcuni: „Mir wurde bewusst, dass der Handel Quartiermeister den Arsch retten würde“

21. Juli 2020 05:07

annika.bruemmer

Heute sprechen wir mit Tcuni über Corona und darüber, was die Pandemie mit ihr persönlich, aber auch beruflich gemacht hat. Tcuni ist bei uns für den Vertrieb im Einzelhandel Berlin zuständig und seit 1,5 Jahren bei Quartiermeister am Start. Dank ihr findet ihr unser Bier in mittlerweile in vielen Berliner EDEKA- und REWE-Filialen. Das finden wir richtig nice, denn wo sonst hätten wir in Zeiten des Lockdowns unser Lieblings-Bier besorgen sollen? Tcuni, du rockst!

Was ging dir durch den Kopf, als sich im Februar/März die Corona-Situation zunehmend zugespitzt hat und wir am 14. März schlussendlich vor dem Lockdown standen?

Ich war total baff. Ich hatte Ohnmachts-Gefühle. Und als der Lockdown kam, war das wie der angekündigte Sturm, der von Italien nach Deutschland zieht. Ich hatte zu der Zeit viel Kontakt zu meinem ehemaligen Mitbewohner, der in Italien lebt. Durch ihn wusste ich genau, was in Italien los ist und was auf uns zukommen würde.

Ich hatte aber schon vorher mulmige Gefühle, bevor alles zugemacht hatte. Mir war da einfach schon eine ganze Zeit sehr unwohl. Ich habe diese Gefühle und Ängste auch im Team besprochen. Und als es dann im März richtig heftig wurde, konnte ich nichts anderes tun, als diese Tatsache zu akzeptieren. Es waren ja alle Menschen auf einmal davon betroffen. Ich erinnere mich, wie unwohl ich mich anfangs im Supermarkt gefühlt habe als die Hamsterkäufe losgingen. Der intensive Austausch im Team in unseres wöchentlichen, digitalen Meisterrunden hat mir allerdings sehr geholfen, meine Gefühle zu ordnen. Auch die Gespräche mit meinem eigenen Netzwerk.

Und in Bezug auf Quartiermeister?

Ich hatte große Angst um Quartiermeister. Wir hatten so ein erfolgreiches letztes Jahr und sind so gut in 2020 gestartet und auf einmal drohte dieses Kartenhaus zusammenzufallen. Ich habe es förmlich vor mir einstürzen sehen.  Ich hatte Angst, dass wir keine sozialen Projekte mehr fördern können, dass Mitarbeiter*innen entlassen werden müssen und dass auch mein Job auf der Kippe steht.

Dadurch, dass wir kein Industriebier, sondern ein alternatives, gutes Produkt sind und nicht so eine große Drehung haben, hatte ich dann Schiss, dass die Getränkeverantwortlichen im Handel Prioritäten setzen würden, was Getränke angeht. Ich habe stark verfolgt, was in den einzelnen Märkten so los war. Enorm nachgefragt waren Toilettenpapier, Mehl, Milch, Getreide und Wasser. Bier so gut wie gar nicht. Das hat mich irgendwie beruhigt. Denn es ging nicht um Quartiermeister – um unser Bier – sondern um das Bier-Segment im Allgemeinen. Die Endverbraucher*innen haben in den ersten Wochen einfach Prioritäten gesetzt, was ihre Einkäufe anging.

Ich erinnere mich, dass ich große Probleme hatte, unsere Kund*innen zu erreichen. Die erste Woche nach dem Lockdown war miserabel. Da ging niemand ans Telefon und wenn, dann wurde häufig einfach aufgelegt oder die Leute waren sehr angespannt. Dann habe ich für mich als Maßnahme festgelegt, unsere Kund*innen erst einmal in Ruhe zu lassen und abzuwarten bis die Sonne wieder scheint.

Der Handel macht eher kleineren Teil von Quartiermeisters Umsätzen. Nun war der Verkauf im Einzelhandel auf einmal die einzige Einnahme-Quelle neben dem Online-Geschäft. Wie hast du dich als Handels-Vertrieblerin mit dieser Tatsache gefühlt?

Tja, mir wurde auf einmal bewusst, dass der Handel Quartiermeister den Arsch retten würde. Nach dem anfänglichen Lähmungs-Gefühl bekam ich dann den Eindruck, dass der Handel doch ganz gut läuft. Die Leute gingen wieder ganz normal einkaufen. Sie hatten sich schnell daran gewöhnt, mit Maske einzukaufen. Für mich persönlich war es allerdings eine extreme Überforderung, die Märkte wieder zu besuchen. Anfangs wurde ja eine Außendienstsperre verhängt: Für alle Außendienstler*innen gab es von allen Supermärkten ein offizielles Schreiben, dass auf Grund von Corona, keine Außendienstbesuche gestattet sind. Als die Sperre aufgehoben wurde, hat mich Peter sehr unterstützt und meinen Zwiespalt gesehen: Auf der einen Seite möchte ich Quartiermeister verkaufen, auf der anderen Seite riskiere ich meine Gesundheit. Mir wurde jedoch zu jedem Zeitpunkt das Gefühl vom gesamten Team vermittelt: Mach einfach so, wie du denkst. Und ich wurde nach jedem Markt-Besuch mutiger.

Als Corona dann aber immer weiter ging, habe ich dann irgendwann trotzdem großen Druck gespürt. Nicht von Quartiermeister oder meinen Kolleg*innen, sondern von mir selbst. Auf einmal dachte ich: Alles hängt jetzt von mir ab. Der ganze Fokus lag auf einmal auf dem Handel, obwohl er eigentlich eher eine schwache Umsatzbeteiligung am Gesamtumsatz ausmacht. Gleichzeitig hatte ich wegen der Kurzarbeit kaum Zeit. Dann dachte ich mir: Corona ist nicht meine Verantwortung. Ich habe einfach keinen Einfluss darauf. Quartiermeister, und alle anderen Unternehmen, an denen Arbeitsplätze hängen, haben auch keinen Einfluss auf die Entwicklung. Das war ein Jonglieren zwischen Gasgeben und Zurückziehen. In der wenigen Zeit, die mir durch die reduzierten Arbeitsstunden blieben, musste ich klar Prioritäten setzen. Gleichzeitig empfand ich es als sehr belastend, zu wissen, dass meinen Kollegen aus dem Gastro-Vertrieb die Hände gebunden sind. Die konnten gar nichts tun, außer abzuwarten. Da habe ich schon oft an meine Männer gedacht (lacht).

Mit der Zeit war ich dann richtig stolz auf mich. Ich habe gemerkt, dass ich mit meinen Händen arbeite, dass ich wirklich etwas für unsere Situation tun kann. Und der Handel ist als Absatzkanal tatsächlich stabil geblieben. Das hat nicht nur mit meiner Arbeit, sondern mit der Arbeit aller Beteiligten zu tun. Ein Lichtblick war, als der Berliner Senat angekündigt hat, dass die Gastro wieder öffnen kann.

Gibt es Dinge, die du in deinem Job in den letzten Monaten anders gemacht hast?

Anfangs war ich zurückhaltender, weil die Situation so angespannt war. Gleichzeitig bin ich den Getränkeverantwortlichen aus den verschiedenen EDEKA und REWE-Filialen nähergekommen. Wir sind enger zusammengerückt. Wir haben viel telefoniert. Da hat mich auch Johanna aus dem Innendienst sehr unterstützt. Die Gespräche haben sich verändert. Wir haben in unseren Telefonaten viel mehr Privates besprochen, wie wir mit der Situation umgehen. Ich habe dann in diesen Gesprächen auch deutlich gemacht, dass wir als Quartiermeister darauf angewiesen sind, dass die Märkte unser Bier bestellen. Dass sie uns nicht vergessen dürfen. Ich habe häufig vom Stay Home Club berichtet, um das Verständnis zu schärfen, wie sehr wir in der Krise stecken durch die Gastro-Schließung. Alle waren erstaunt, dass Quartiermeister um die 80 % des Umsatzes durch die Gastronomie generiert.

Ich bin dann dazu übergegangen, eigene kleine Newsletter an die Märkte zu verschicken, in denen ich mich für die Unterstützung bedankt habe und ich habe klar gesagt, dass wir für unsere Kund*innen da sind. Außerdem habe ich meine „Kurzarbeit-Sprechzeiten“ durchgegeben.

Welche Learnings hast du für dich, Quartiermeister und deinen Job mitnehmen können?

Ich habe gemerkt, wie sehr es mir hilft, eine private und berufliche Struktur für mich aufzubauen und dass es sinnvoll ist, nicht zu sehr zu grübeln, sondern sich auf andere Dinge außerhalb des Jobs zu konzentrieren, wie z.B. auf das Thema Achtsamkeit. Ich habe meine Küche gestrichen, habe Dinge ausgemistet und es sogar endlich geschafft, meine letzten beiden Steuererklärungen zu machen.

Ich habe gelernt, dass die Verantwortung nicht bei mir liegt, weil ich, wie vorher beschrieben, keinen Einfluss auf die Situation habe. Man hat einfach nicht alles in der Hand. Und dass Ziele – und wir hatten viele Ziele, die wir jetzt korrigieren müssen – am Ende eine Utopie sind. Eine Richtung zu haben ist gut, aber das geht nicht auf Krampf. Das hat mein Bewusstsein verändert. Dass man mit Druck und Krampf nicht durchkommt im Leben und im Job.

Was glaubst du, was Quartiermeister aus der Krise gelernt hat?

Wir haben gelernt, flexibel zu sein und innerhalb kürzester Zeit zu reagieren. Wir sind im Team enger zusammengerückt. Und wir haben gesehen, dass wir viel stärker und resilienter sind als angenommen. Und wir sehen auch, dass nicht alles in unserer Verantwortung liegt und wir auch nicht alles beeinflussen können. Gelassenheit ist ein wichtiges Learning, was Quartiermeister aus den letzten Monaten zieht.

Gibt es etwas, was du noch loswerden möchtest?

In erster Linie möchte ich meinen Kolleg*innen danken für das entgegengebrachte Vertrauen und die Rückendeckung. Wenn ich irgendwas gebraucht habe, waren wirklich alle für mich da und haben mich unterstützt.

Dann möchte ich mich bei den Getränkeverantwortlichen und den Marktleitern der EDEKA- und REWE-Filialen bedanken, die uns im Sortiment haben. Die Plätze, die wir im Handel bekommen, laufen alle auf freiwilliger Basis. Wir haben keine Verträge, die uns Platzierungen zusichern. Ich finde es toll, dass viele Märkte kleine Firmen wie uns in dieser Zeit so gut unterstützen.

Und zu guter Letzt möchte ich mich bei allen Quartiermeister-Trinker*innen bedanken, denn die Rotation im Markt kriegen wir nur durch ihre Kaufentscheidungen hin. Wenn ich im Markt bin und unsere Flaschen ins Regal räume, geht mir jedes Mal das Herz auf, wenn jemand zu unserem Bier greift. Denn wenn niemand Quartiermeister kauft, dann bestellt auch keine Filiale nach. Das ist ein Kreislauf. Der Kreislauf geht noch weiter. Wenn weniger gekauft wird, wird weniger produziert und abgefüllt. Das wäre dann sehr schlecht für unsere Partnerbrauereien. Die Endverbraucher*innen sind die Held*innen, die unsere Arbeit möglich machen. Sie sind diejenigen, die unsere Unternehmens-DNA – die Projektförderung – ermöglichen. Also Leute: Tausend Dank, dass ihr Quartiermeister trinkt!

Und Leute: Falls es tatsächlich zu einer zweiten Welle kommen sollte, hoffe ich sehr, dass sich alle an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken) halten werden. Zum Wohle aller halt.

 

Corona-Talk mit David: "Seit Corona weiß ich, was es heißt, eine Führungskraft zu sein"

16. Juli 2020 09:53

annika.bruemmer

David ist einer der zwei Mitgründer und Geschäftsführer von Quartiermeister. Im Normalfall kümmert er sich um Produktion und den Innendienst und arbeitet gemeinsam mit Peter (Mitgründer & Geschäftsführer Nr. 2) an den Bereichen Strategie, Finanzen und Personal. Wie Corona Davids (Berufs-)Leben auf den Kopf gestellt hat, welche Ängste und Sorgen er hatte, und was Corona rückblickend für Quartiermeister bedeutet, erfahrt ihr im Interview.

Anfang des Jahres haben viele noch über Corona geschmunzelt. Wann hast du angefangen, Corona ernst zu nehmen und ab welchem Zeitpunkt als bedrohlich empfunden?

Ich lese sehr viele Nachrichten und habe schon anfangs, also Anfang Januar, Corona intensiv in China verfolgt. Anfangs dachte ich, das sei nichts Größeres. In meiner Rolle als Chef und Geschäftsführer habe ich angefangen, Corona ernst zu nehmen, als es die ersten Rückmeldungen aus dem Team gab, dass es Ängste und Sorgen gibt, dass Corona gesundheitliche Schwierigkeiten auslösen könnte. Da habe ich noch versucht, das Ganze zu beschwichtigen, aber diese Ängste natürlich auch sehr ernst genommen. Das war so ein bis zwei Wochen vor dem Lockdown Mitte März. Dann gings relativ schnell. Ich erinnere mich, dass wir vorher im Büro schon ein paar Hygieneregeln eingeführt haben, wie häufiges Händewaschen und Abstandsregelungen. Und als der Lockdown dann plötzlich kam – und das ging ja wirklich von Null auf Hundert in zwei oder drei Tagen – habe ich gemerkt, dass das richtig reinhauen kann. Das war das Wochenende, an dem ich mich mit Peter zusammengesetzt habe und besprochen habe, was das nun eigentlich für uns, für Quartiermeister, bedeutet. Da haben wir relativ früh den Ernst der Lage erkannt. Denn wenn keine Bars und Kneipen geöffnet sind und keiner mehr raus darf, bricht natürlich unser Geschäftsmodell zusammen.

 

Welche Maßnahmen haben Peter und du zum Schutz von Quartiermeister ergriffen?

Die Woche vor dem Lockdown hatten wir bereits freiwilliges Homeoffice angeordnet, damit alle, die sich nicht mehr wohl fühlen, zu Hause bleiben können. Und als der Lockdown kam, sollten dann wirklich alle zu Hause bleiben. Wir müssen mit unserer Arbeit nicht wirklich ins Büro, außer um vielleicht mal die Post abzuholen. Wir haben dann direkt mit unseren Partnern gesprochen, allen voran den Brauereien und teilweise mit Händlern, um zu besprechen, was für Auswirkungen Corona haben kann und welche Maßnahmen wir jetzt schon treffen können, um wirtschaftliche Schäden abzuwenden.

Unseren Kollegen und Kolleginnen gegenüber haben wir versucht, so offen und so transparent wie möglich zu kommunizieren und den Ernst der Lage zu schildern, gleichzeitig aber die Situation nicht zu bedrohlich wirken zu lassen. Zumindest haben wir das versucht.

Wir mussten uns zuerst natürlich orientieren und ganz genau auf unsere Liquidität schauen. Als Corona ausgebrochen ist, sollte unsere Saison losgehen. Wir waren gerade durch mit den sechs schwachen Monaten, die wir immer im letzten und ersten Quartal haben. Unser Konto war so leer, wie es ging. Es sollte gerade wieder losgehen. Die Verkäufe sollten anziehen. Auf Grund des Zeitpunkts war die Situation noch bedrohlicher für uns. Deshalb haben wir direkt die Notbremse gezogen mit einer Liquiditätssperre. Wir haben geschaut, welche Rechnungen wir direkt bezahlen müssen und welche wir herauszögern können. Mit den Brauereien haben wir besprochen, dass wir vorerst mehr nach Können bezahlen, also mehr nach Liquidität. Da haben wir von unseren Partnern glücklicherweise positive Rückmeldungen bekommen und konnten diesbezüglich sehr gut und vertrauensvoll zusammenarbeiten.

Wir haben uns dann sehr schnell in das Kurzarbeits-Thema reingefuchst. Seitdem spreche ich fast täglich mit unserer Steuerberaterin. Ab April haben wir dann den Antrag auf Kurzarbeit für alle Mitarbeiter*innen gestellt.

 

Wie hat das Team auf das Thema Kurzarbeit reagiert? Wie war die Stimmung?

Die Stimmung war an sich gut – auf jeden Fall besser als gedacht. Es gab Tage, an denen Peter und ich recht deutlich kommuniziert haben, dass wir nicht wissen, wie wir aus dieser Krise herauskommen werden und dass wir es ohne tiefe Einschnitte nicht überleben werden. Da war die Stimmung verständlicherweise nicht so gut. Das haben wir versucht, aufzufangen. Wir haben immer gesagt, dass das die Ultima Ratio wäre. Dass wir deshalb aber auch die Solidarität von jedem*r Einzelnen brauchen, um durchzukommen. Wir hatten immer das Gefühl, dass innerhalb des Teams große Solidarität vorhanden war und dass jede*r bereit war, zum Wohle anderer zu verzichten. Teilweise haben die Leute sogar angeboten, Teile ihres eigenen Gehalts für andere zu geben, da diese sonst weniger verdient hätten. Da gabs einen großen Zusammenhalt und gewisse Trotzreaktionen, so nach dem Motto: Das schaffen wir schon! Aber natürlich war die Unsicherheit groß. Und auch die Ängste gewisser Kolleg*innen. Das war für Peter und mich eine schwierige und herausfordernde Situation. Das hat mich auf jeden Fall geprägt. Seitdem weiß ich, was es heißt, eine Führungskraft zu sein. Im Vergleich dazu ist Führung in guten Zeiten Kindergarten.

 

Hast du das Gefühl, dass dich diese Herausforderungen als Führungskraft weitergebracht haben?

Schon. In Krisenzeiten reagiert ja jeder irgendwie entsprechend seines Charakters. In den letzten Wochen und Monaten wurde recht deutlich, dass wir einfach sehr verschiedene, diverse Leute bei uns im Team haben, die ganz unterschiedlich auf Corona reagiert haben. Darauf mussten wir uns dann einstellen und verschiedene Arten von Gesprächen führen. Das hat mir stark gezeigt, dass Führung Empathie und Einfühlungsvermögen bedeutet und gleichzeitig der Wahrheit ins Gesicht zu blicken. Das war nicht einfach, den Leuten einerseits zu sagen, wie ernst die Lage ist und gleichzeitig mit erhobenem Haupt und gutem Beispiel voranzugehen. Entscheidungen unter enormer Unsicherheit zu treffen und Entschlossenheit zu signalisieren, war enorm wichtig, weil ich gemerkt habe, dass das Team auf mich und Peter schaut. Wenn wir da gezögert hätten oder zusammengebrochen wären oder vor Angst nicht mehr handlungsfähig gewesen wären, dann wäre es auf jeden Fall anders ausgegangen. Wir mussten zeigen, dass wir an der Krise nicht zu Grunde gehen. Wir mussten optimistisch sein. Das hat sich dann auf die Kollegen und Kolleginnen übertragen. Klar gab es auch Tage, an denen Peter und ich selbst niedergeschlagen waren. In solchen Momenten war es schön, Rückhalt zu spüren und vom Team aufgefangen zu werden. Allgemein habe ich jedoch schon das Gefühl, dass wir eine gewisse Entschlossenheit an den Tag gelegt haben und alle anderen dem folgen konnten.

 

Du würdest also sagen, dass sich Peter und deine Führungsstrategie positiv auf das Team und das Unternehmen ausgewirkt hat? Oder würdest du rückblickend irgendetwas anders machen?

Ich weiß natürlich nicht, wie es gelaufen wäre, wenn wir anders reagiert hätten. Ich glaube, dass es an sich gut gelaufen ist. Auch, was die Motivation im Team, was die Stimmung der Leute, die Solidarität untereinander anbelangt. Es hat alles irgendwie funktioniert. Bislang sind wir einigermaßen gut durch die Krise gekommen. Die Leute konnten trotz Kurzarbeit viele ihrer Aufgaben erledigen und waren auch immer bereit, im Team ansprechbar zu sein und füreinander da zu sein. Was passiert wäre, wenn Peter und ich uns anders verhalten hätten, kann ich nicht sagen. Es wäre aber interessant, zu wissen, welche Dynamiken sich sonst im Team gebildet hätten, wenn z.B. Peter und ich ausgefallen wären. Wer hätte dann im Team die Führung übernommen? Hätte es gar keine Führung gegeben, sondern vielleicht eine kollektive Führung? Als Experiment wäre das interessant gewesen. Dadurch, dass wir uns in einer sehr ernsten Situation befanden und befinden, bin ich allerdings ganz froh, dass es so funktioniert hat und wir eine gewisse Resilienz zeigen konnten.

 

Hattest du jemals Angst, dass Quartiermeister Corona nicht überleben würde?

Auf jeden Fall! Die Angst war durchaus da. Immerhin haben wir mit Umsatzeinbrüchen von 70-80 % gerechnet, weil Quartiermeister den Hauptumsatz durch die Gastronomie erzielt, die durch den Lockdown komplett weggebrochen ist. Ein weiterer wichtiger Absatzkanal sind Events, die auch auf einmal alle abgesagt wurden und größtenteils weiterhin gestrichen sind. Die Gastro ist selbst jetzt noch nicht an dem Punkt, wo sie vor Corona war. Dementsprechend sind wir mit unseren Umsätzen nach wie vor nicht bei 100 %. Corona für uns nicht vorbei, deshalb ist die Angst um Quartiermeister in Teilen immer noch vorhanden. Dadurch, dass man immer noch nicht weiß, was passiert, weil das Virus einfach unfassbar komplex ist und gefühlt jeden Tag neue Dinge herauskommen, die im worst case wieder zu einem erneuten Lockdown könnten, ist meiner Meinung nach die ganze Sache noch nicht überstanden. Wir haben viel mit unserem Coach darüber gesprochen. Wir gehen davon aus, dass es sich bei Corona um einen Marathon handelt und nicht um einen Sprint. Die ersten 20 km haben wir vielleicht überstanden, aber die zweite Hälfte wird sicher noch etwas andauern. Anfangs war die Angst natürlich größer: Wird Quartiermeister Corona überleben? Müssen wir eventuell sogar Leute entlassen? Wir haben aber alle Maßnahmen getroffen, die es in dem Moment gab.                                                                                                                                           

 

Wie hat sich deine Arbeit in den letzten Wochen und Monaten verändert?

Ich habe mich in alle möglichen Themen reingewurschtelt. Zum einen in die Kurzarbeit, in die Soforthilfen von der IBB, vom Bund, vom Land. Da habe ich teilweise Nächte in Warteschlangen verbracht, weil es anfangs technisch überhaupt noch nicht funktioniert hat. Das war schon irgendwie abstrus, aber das Gebot der Stunde. Ich konnte mich wirklich um nichts anderes kümmern als um den Fortbestand von Quartiermeister. Dadurch hatte ich allerdings immer das Gefühl, dass es doch noch Möglichkeiten gibt, etwas zu unternehmen und an diese Möglichkeiten habe ich mich geklammert. Ich habe mich mit großem Willen überall reingearbeitet und so vielleicht auch frühzeitig Hilfen an Land gezogen, wie z.B. Soforthilfe II in Höhe von 15.000€ oder das Kurzarbeitergeld ab April. Ich habe mich um Kredite gekümmert. Das hat sehr lange gedauert und ist auch gerade jetzt erst abgeschlossen, also drei bis vier Monate später. Das war eine ziemliche Odyssee.

Durch die Einführung der Kurzarbeit lagen dann auf einmal viele Aufgaben bei Peter und mir, wie Rechnungen schreiben, Speditionsplanung oder Händlergespräche. Klar, dadurch, dass wir weniger Bier verkauft haben, sind Teile des operativen Geschäfts weggebrochen und dadurch gabs weniger zu tun. Aber durch die zusätzlichen Aufgaben wie Liquiditäts- und Existenzsicherung und der Führungsaufgabe, habe ich von der Kurzarbeit nicht wirklich viel gehabt. Kurzarbeit-Geld habe ich als Geschäftsführer eh nicht bekommen, aber ich habe auch eh weiterhin Vollzeit gearbeitet. So hatte ich aber zumindest das Gefühl, dass ich etwas tun kann, denn rumsitzen und nichts tun ist in so einer Situation als Geschäftsführer auf keinen Fall das richtige. Wenn du mit Existenzängsten auf dem Sofa sitzt, wäre das Gedankenkarusell auf jeden Fall negativer gewesen.  

 

Wie hast du die Stimmung der anderen Quartiermeister*innen während der letzten Wochen empfunden?

Rückblickend betrachtet kann ich sagen, dass die Stimmung insgesamt gut war – und auch besser als erwartet: solidarisch, motiviert und gegenseitig unterstützend. Klar gab es Ängste und Sorgen, aber immer mit der Möglichkeit, diese Gefühle herauszulassen und zu besprechen und im besten Fall in positive Emotionen umzuwandeln. Es gab auch schwierige Gespräche mit Einzelpersonen, was in so einer Zeit völlig normal ist. Insgesamt würde ich sagen, dass der Verlauf für uns intern gut war und auch von der Wirtschaftlichkeit her. Es hätte uns auf jeden Fall noch schlimmer treffen können. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir so stark zusammengehalten haben.

 

Quartiermeister besteht aus einer GmbH und einem Verein. Inwiefern war der Verein während der Krise involviert? Wie war euer Austausch mit dem Verein?

Auch das war eine sehr schöne Erfahrung. Wir haben von Seiten des Vereins sehr viel Solidarität entgegengebracht bekommen. Durch Corona haben wir den Austausch mit dem Verein sogar intensiviert, um den Mitgliedern Updates zu geben, wie es uns geht. Alle Maßnahmen, die wir getroffen haben, wie Kurzarbeit oder Förderstopp, wurden vom Vorstand mitgetragen und mit viel Verständnis aufgenommen. Dann gabs während Corona die ein oder andere witzige Aktion, was durch das zunehmende digitale Arbeiten überhaupt erst zu Stande kam. Ich habe digitale Verkostungsaktionen und Bierworkshops mit den Vereinsmitgliedern durchgeführt. Wir haben eine Instagram-Serie vom Verein – die wertuellen Kneipenabende – gestartet, was auch sehr cool war. Tatsächlich konnten wir in Corona-Zeiten noch mehr Zusammenhalt und Austausch mit dem Verein schaffen.

 

Wegen der Liquiditätsengpässe musste Quartiermeister die Projektförderung zunächst einfrieren. Wie hat der Verein auf diese Entscheidung reagiert?

Als wir gesehen haben, dass es nun um wirklich jeden Cent geht, mussten wir mit allen Mitteln auf unsere Liquidität achten. Da wir ohnehin schon mit einem niedrigen Kontostand in die Corona-Zeit gestartet sind, haben wir das direkt in der ersten oder zweiten Woche an den Verein kommuniziert, dass wir erst mal nicht fördern können. Da war das Verständnis vom Verein wirklich sehr groß. In diesem Gespräch haben wir dem Vorstand unsere Unternehmenszahlen sehr transparent präsentiert. Wir waren uns alle einig, dass wir nun alles dafür tun müssen, dass es Quartiermeister nach der Krise überhaupt noch gibt. Die nächste Förderung wird dann stattfinden, sobald wir uns wieder in einer wirtschaftlichen Situation befinden, die eine Förderung zulässt.

 

Du sagtest vorhin, dass die Beantragung des Kredits mehrere Monate gedauert hat. Woran lag das?

Das lag vor allem daran, dass niemand auf dieses Szenario hinreichend vorbereitet war. Die Banken wurden in den ersten Wochen von allen Seiten überrannt. Deren Workload war und ist immer noch enorm. Man konnte niemanden erreichen und es konnte dir auch niemand so richtig Auskunft geben. Und die ganzen Programme, die dann vom Land und Bund oder der KfW aufgesetzt wurden, waren alle mit sehr heißer Nadel gestrickt, sodass am Anfang viele Fehler passiert sind und keine guten Prozesse definiert waren. Während des Runs auf die erste Soforthilfe und die ersten Darlehen ist dann diese Online-Warteschlange entstanden. Das war Anfang April. Die wurden in der ersten Zeit über Nacht weitergeführt. Dann kam es zu der absurden Situation, dass Quartiermeister – in dem Fall ich – um 1:30 dran war. Es hieß: Wenn die Warteschlange bei uns angekommen ist, habe ich ein Zeitfenster von 20 Minuten, um mich einzuloggen. Die haben die Warteschlange nicht über Nacht abgeschaltet. Ich war dann um 1:30 dran, lag zu dem Zeitpunkt aber im Bett, weil ich nicht wusste, was passiert. Das war der Grund, warum wir von der ersten Soforthilfe nichts mehr abbekommen haben. Als ich mich am nächsten Tag erneut in der Warteschlange eingereiht habe, hat das so lange gedauert bis wir dran waren, dass dann das Geld alle war.

Bei der Soforthilfe II wurde die Warteschlange von 21 Uhr bis 6 Uhr morgens nicht weitergeführt. Dann gabs die ersten Horror-Geschichten: Leute sind aus der Warteschlange rausgeflogen, Leute sind reingekommen, konnten das Formular aber nicht ausfüllen, Leute konnten den Antrag nicht abschicken oder haben keine Bestätigung bekommen. Dann kam noch ein riesiger Datenschutzskandal auf die IBB zu. Das war völlig hanebüchen. Es war einfach total unklar, ob man am Ende das Geld bekommt. Schlussendlich nach Einsenden des Antrags ging es dann aber doch relativ schnell. Und bin dankbar, dass es sowas wie Soforthilfe überhaupt gibt.

Auch beim GLS-KfW-Kredit, den wir jetzt endlich finalisieren konnten, gabs sehr viele Unwissenheit, wer wofür zuständig ist, welche Unterlagen gebraucht werden. Du wurdest teilweise hin und her geschickt. Es hat alles sehr lange gedauert und war sehr beschwerlich, aber glücklicherweise konnten wir den Kredit jetzt für uns beantragen.

 

Wie hoch ist der Kredit und wofür wollt ihr das Geld verwenden?

Der Kredit beläuft sich auf 100.000 €. Wir werden wahrscheinlich aber noch mehr Bedarf haben. Wir brauchen das Geld, um über die nächsten Monate zu kommen. Trotz Zuschüssen und Kurzarbeit machen wir weiterhin kein Plus. Wir nähern uns von unten der Null an. Entsprechend gibt es jeden Monat weiterhin Fehlbeträge, die ausgeglichen werden müssen. Zum anderen brauchen wir das Geld, um Quartiermeister wieder anzuschieben, weil wir dafür unsere Leute aus der Kurzarbeit herausholen müssen, damit sie wieder voll arbeiten können. Einen Teil werden wir für Investitionen verwenden, die für dieses Jahr anstanden, wie z.B. Kisten oder andere Betriebsmittel. Wir werden das ERP-System, unser Warenwirtschaftssystem, dieses Jahr hoffentlich noch einführen können. Und ein Teil davon wird vielleicht auch in die Förderung gehen.

 

Kannst du etwas Positives aus der Krise für dich und für Quartiermeister ziehen?

Generell ist die Krise für uns wahrscheinlich positiver ausgefallen als für viele anderen. Von daher können wir erst mal dankbar sein, dass es uns noch gibt. Dass die Krise gewisse positive Effekte auf das Mindset von uns Menschen hat, bezweifle ich ehrlicherweise. Ich hoffe trotzdem, dass es im Rahmen der Politik und innerhalb der Unternehmen zu positiven Entwicklungen kommt. Insgesamt hatte ich schon das Gefühl, dass die Entschleunigung – Leute arbeiten einfach weniger – positiv aufgenommen wurde. Dass hinterfragt wurde, ob man wirklich so viel arbeiten muss und so viel Geld braucht oder ob man mit mehr Freizeit und weniger Geld ggf. sogar ein besseres Leben führen kann. Das regt zum Nachdenken an. Trotz Existenzängsten hat uns die Krise einen Sommer voller Stress genommen, auch wenn dies meistens positiver Stress ist. Aber so ein Sommer ist doch immer recht anstrengend mit Festivals, High Season und 30-50% Wachstum zum Vorjahr. Das geht hart an die Substanz. Auch wenn Corona eine andere Art von Stress war, war doch die körperliche Erschöpfung nicht ganz so groß. Für mich persönlich ist positiv, dass ich remote arbeiten kann. Durch Corona hat sich gezeigt, dass ich meine Arbeit fast vollständig von überall aus erledigen kann. Auch wenn ich gerne im Büro bin, zeigt es mir, dass ich total flexibel bin. Deswegen bin ich aktuell nicht in Berlin. Das ist schon sehr schön!

 

Was würdest du im Falle einer zweiten Welle anders machen?

Ich glaube, ich würde mir nicht mehr so viele Sorgen machen. Ich würde versuchen, den Druck und die Verantwortung ein bisschen mehr zu verteilen, eventuell Gesprächskreise innerhalb des Teams etablieren, sodass noch mehr Austausch stattfindet und sich nicht alles auf Peter und mich fokussiert. Es macht wahrscheinlich Sinn, in den nächsten Monaten genauer unsere Absatzmärkte zu analysieren, um zu verstehen, wo wir noch Potenzial haben, was jenseits eines zweiten Lockdowns funktionieren kann.

Und für mich persönlich hoffe ich, dass ich bei einem eventuellen zweiten Lockdown nicht in Berlin sein werde (lacht).

 

Möchtest du noch irgendwas loswerden?

Ich hoffe einfach, dass wir weiterhin auf Seiten der Endverbraucher*innen diese tolle Unterstützung erfahren, denn nur so können wir als kleines, unabhängiges Sozialunternehmen weiter existieren. Und ich möchte mich an dieser Stelle bei meinen Kolleg*innen bedanken, dass sie mir das Vertrauen entgegengebracht haben und dass wir uns gemeinsam so solidarisch verhalten haben.

Jubiläum fällt ins Wasser – wir feiern trotzdem. Und zwar mit einem Drei-Gänge-Menü

29. Juni 2020 14:15

annika.bruemmer

2020 – das sollte unser Jahr werden. So gut ins neue Jahr gestartet wie noch nie zuvor in der Quartiermeister-Geschichte, wollten wir fast 60.000 € in die Projektförderung pumpen (lest mehr dazu hier). Ein wohl noch viel wichtigeres Happening, das uns das ganze Jahr begleiten sollte, ist das 10-jährige Jubiläum von Quartiermeister. 2010 fing alles an. Eine Idee von Studierenden, die drei Jahre lang komplett ehrenamtlich ablief (alle Gewinne wurden direkt an soziale Projekte verteilt), hat sich im Laufe der Zeit zu einem gesunden Unternehmen entwickelt, das Hand in Hand mit dem Verein arbeitet.

Die Ideen für unser 10jähriges Bestehen brodelten. Wir hatten Einiges vor. Dann kam Corona. Lockdown, sinkende Verkäufe, Kurzarbeit, Versammlungsverbot – alle Pläne wurden zunächst auf Eis gelegt. Auf ein wenig Glamour-Gefühl können wir uns aber trotz Corona freuen, denn in diesem Jahr wird es ein hochwertiges, limitiertes dreigängiges Gourmet-Bier-Menü anlässlich unseres 10. Geburtstages geben.

 

Wer oder was steckt dahinter?

Drei-Gänge-Menü? Hochwertig? Glamour-Feeling? Klingt erstmal komisch, immerhin sind wir eher bekannt dafür, solide Biere, wie Pils oder Helles unter die Menschen zu bringen. Parkbank und Kneipe statt Ohrensessel und Bling-Bling – da fühlen wir uns wohl. Wie also passen nun neue Gourmet-Biere in unser Sortiment?

Verantwortlich ist Thomas Tyrell, vielen Biernerds bekannt als ehemals leitender Brauer der STONE Brewing in Berlin-Mariendorf. Wir haben Thomas durch unsere Kollaboration mit STONE im Jahr 2019 kennengelernt. Damals haben wir ein gemeinsames Pale Ale kreiert (The Pale Ale for Brighter Futures), um eine gemeinsame Förderung besonders innovativer Ideen für Berliner Initiativen auszuschütten. In dieser Zeit haben wir natürlich auch Thomas kennengelernt, der uns mit seinem Bier-Wissen ziemlich beeindruckte. Auch menschlich passte alles wie Arsch auf Eimer, daher freuen wir uns, dass uns Thomas seit Schließung der STONE Brewing in Mariendorf unsere Produktionsprozesse als Qualitätsbeauftragter unterstützt.

Neben seiner beratenden Tätigkeit (unter anderem für uns – yeah!) hat Thomas vor Kurzem das Tyrell BrauKunstAtelier gegründet, wo er sich nun seine ganz eigenen Hopfen-Kreationen entwickelt. Die erste Charge hat Thomas Quartiermeister zum 10-jährigen Jubiläum gewidmet: Drei hochwertige, im Geschmack einzig- und andersartige Biere befinden sich momentan im Produktionsprozess und warten sehnsüchtig darauf, in ihre edlen 0,75 Liter-Flaschen abgefüllt zu werden. Nach Quartiermeister-Tradition fließen 1 € pro verkaufter Flasche in die Quartiermeister-Förderung.

 

Was gibt’s zu trinken?

Das Bier-Menü umfasst eine Kaiserweisse, die den Aperitif darstellt: Fruchtig, erfrischend sauer und adstringierend. Als Hauptgang kommt ein auf Holz gereifter Gerstenwein: Ein karamelliges Bier mit Holz- und Whiskynoten mit einer moderaten Bittere im Abgang. Als Dessert wird ein auf Holz gereiftes Kakao Stout serviert, der den Espresso danach ersetzt: gebraut mit Kaffee und Kakao und besonders gerösteten Karamellmalzen.

Alle Biere werden in limitierter Auflage eingebraut, sind lagerfähig und können auch jahrgangsübergreifend verkostet werden. Sie befinden sich momentan im Reifungs-Prozess und werden im Oktober 2020 in 0,75 Liter-Flaschen abgefüllt. Ihr habt die Möglichkeit, euch unter www.tyrellbraukunstatelier.de oder bei uns im Shop eine oder mehrere Flaschen, entweder einzeln oder im Drei-Gänge-Menü, zu sichern. Verschickt werden die Biere von uns im Oktober, sobald sie das Licht der Welt erblickt haben.

Ihr könnt Thomas und seinem BrauKunstAtelier auf Facebook und Instagram folgen, um auf dem Laufenden zu bleiben.

Die Foodbrücke sucht Mitstreiter*innen

22. Juni 2020 14:05

nele.ilic

Die Foodbrücke ist eine Berliner Initiative, die im Sommer 2018 als studentisches Projekt entstanden ist und Ende 2018 von Quartiermeister gefördert wurde. Wir haben mit Alina, einer der Mitbegründer*innen des Projekts, darüber gesprochen, was die Idee hinter dem Projekt ist, wie sie arbeiten und wie die Zukunft der Foodbrücke aussehen könnte. 

„Die Foodbrücke baut Brücken, um Fragmentierung und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft zu überwinden und dabei die Menschen für soziale, ökologische und ökonomische Themen nicht nur in ihrer Nachbarschaft, sondern auch auf globaler Ebene zu sensibilisieren“, sagt Alina. Die Foodbrücke ist eine mobile Kochstation, die für gemeinsames Kochen, egal an welchem Ort, genutzt werden kann. Gekocht wird mit geretteten Lebensmitteln - so wird auf das Problem der Lebensmittelverschwendung aufmerksam gemacht. Jede*r soll sich bei der Foodbrücke willkommen fühlen, sagt Alina: „Die Foodbrücke und ihre Aktionen sollen für alle Menschen offen sein - dabei ist es egal, ob dieselbe Sprache gesprochen wird, denn Kochen verbindet“.

Als die Foodbrücke im Sommer 2018 als studentisches Projekt ins Leben gerufen wurde, wurde der Fahrradanhänger mit der mobilen Kochstation innerhalb weniger Wochen mit recycelten Materialien aus der Nachbarschaft gebaut. Dieser erste Versuch wies jedoch viele Mängel auf und konnte nicht langfristig genutzt werden. Mithilfe der Quartiermeister-Förderung konnte eine stabilere und besser durchdachte „Foodbrücke 2.0“ gebaut werden. „In unseren wöchentlichen Treffen sind immer ganz verschiedene Menschen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammengekommen und haben uns beim Entwerfen und Bauen des Mobils unterstützt“, erinnert sich Alina. 

Die Aktionen der Foodbrücke waren an verschiedene Formate der Floating University und der Torhaus-Initiative mit diversen Workshops gekoppelt.

Leider stand die Foodbrücke in den letzten Monaten still - die Studierenden, die an dem Projekt beteiligt waren, stehen mittlerweile kurz vor dem Abschluss (und auch die Corona-Situation war für ihre Arbeit nicht förderlich). Jetzt sucht die Foodbrücke Mitstreiter*innen, damit das Projekt nicht endgültig einschläft. 

„Jede*r einzelne ist willkommen, mit seiner Idee das Projekt zu unterstützen. Wir können uns vorstellen, dass die Foodbrücke unterschiedliche Möglichkeiten bietet. Nicht nur das gemeinsame Kochen, sondern auch Workshops, Talks oder Beteiligungsformate können hier gefördert werden. Die Foodbrücke ist vielmehr ein Ort des Zusammenkommens in der Nachbarschaft. Es wäre schön, wenn sich eine Initiative oder ein nachbarschaftliches Kollektiv findet, um die Foodbrücke weiterhin zu nutzen. Deswegen würden wir die Foodbrücke gerne für jede*n bereitstellen, der oder die Interesse daran hat, das Projekt langfristig am Leben zu halten und die Foodbrücke für jede*n in der Nachbarschaft greifbar zu machen.“ 

Wer Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Foodbrücke hat, kann sich gerne per Mail an nele@quartiermeister.org wenden. Der Kontakt zur Foodbrücke wird dann vermittelt. 

Stay Home Club Berlin: Spenden gehen ab sofort an Helfen.Berlin

3. Juni 2020 15:48

annika.bruemmer

Liebe Leute,

der Stay Home Club Berlin ist nun seit knapp 2 Monaten am Start und wir ziehen Bilanz: 3.000 € konnten wir bislang Dank euch in den Spendenfonds von United We Stream fließen lassen. Damit haben wir mit euch einen ordentlichen Batzen Kohle zum Erhalt unserer geliebten Clubkultur zusammenbekommen. Nun ist es Zeit, neue Wege zu gehen, um unsere finanzielle Unterstützung einer noch breiteren Masse zukommen zu lassen. Und deshalb investieren wir ab sofort 10 % eines jeden Bestellwertes über die gemeinnützige Plattform Helfen.Berlin in Gutscheine verschiedener gastronomischer Betriebe.

Zwar dürfen Restaurants und Cafés seit ca. zwei Wochen unter strengen Auflagen wieder öffnen. Für Bars und Kneipen gilt diese Option jedoch nicht. Je länger die Corona-Krise andauert, desto mehr Betriebe stehen vor dem Ruin. Um auch kleineren Cafés, Bars und Kneipen in dieser schweren Zeit unter die Arme zu greifen, haben wir uns dazu entschieden, ab sofort mit Helfen.Berlin zu kooperieren. Ein Gutscheinkauf hilft vielen gastronomischen Betrieben, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu vermeiden.

Dabei entscheiden weder wir noch Helfen.Berlin, für welche Orte die Gutscheine gekauft werden. Im zweiwöchentlichen Rhythmus losen wir drei der auf Helfen.Berlin registrierten Lieblingsorte aus, die sich für die Spendensumme qualifizieren, die sich in den vergangenen zwei Wochen durch eure Bestellungen angesammelt haben. Auf unseren social media Kanälen stellen wir euch die drei Kandidaten in jeweils einem separaten Beitrag vor. Dann seid ihr gefragt: Ihr entscheidet per Herzchen oder Like, welcher Berliner Lieblingsort vom Gutscheinkauf profitiert. Der Gutschein geht an den Betrieb, der die meisten Likes für seinen Beitrag gewinnen konnte. Anschließend – und jetzt wird’s richtig spannend für euch – verlosen wir den Gutschein unter allen Abstimmende*n – yeah! So könnt ihr also nicht nur wichtige Karma-Punkte sammeln, indem ihr Getränke, Lebensmittel und freshes Zeug für untenrum über den Stay Home Club bestellt. Ihr könnt durch eure aktive Teilnahme am Verlosungsprozess ein Herz für eure Lieblingsorte setzen und mit ein wenig Glück einen richtig fetten Gutschein absahnen.

Das ist ja gar keine richtige Spende

Stimmt! Wir können aber eine draus machen. Und zwar indem wir den Gutschein einfach zerreißen. Das entscheidet der/die Gewinner*in. Ein zerrissener Gutschein kommt so einer 100%igen Spende gleich.

Jetzt Bier retten mit Too Good To Go

29. April 2020 14:27

nele.ilic

Hoppla. Wir haben so viel Bier brauen lassen, dass ihr mit dem Trinken gar nicht mehr hinterhergekommen seid. Jetzt stehen bei uns im Keller etliche Kisten Bier, die noch superlecker sind, aber das Mindesthaltbarkeitsdatum seit kurzem überschritten haben, sodass wir das Bier nicht mehr über die üblichen Wege verkaufen können. 

Da kommen unsere Partner*innen von Too Good To Go ins Spiel. Sie setzen sich mit ihrer App gegen Lebensmittelverschwendung ein. Das finden wir Quartiermeister*innen sehr gut und sind natürlich gerne mit am Start! Mit der Too Good To Go App könnt ihr ganz leicht Lebensmittel in eurer Nähe finden, die nicht mehr zum vollen Preis verkauft werden können und sonst weggeschmissen werden müssten. So könnt ihr aktiv einen Beitrag gegen Lebensmittelverschwendung leisten und dabei leckere Lebensmittel für wenig Geld bekommen. Win-Win! 

So werden wir ab jetzt Bier, das das Mindesthaltbarkeitsdatum seit kurzem überschritten hat, über die Too Good To Go App zum reduzierten Preis für euch anbieten. Ihr könnt euch das Bier über die App reservieren und direkt bei uns in Kreuzberg abholen. 

Mehr Informationen zu Too Good To Go und zum Thema Lebensmittelverschwendung gibt es hier.

Der International Women* Space bricht das Schweigen - Corona Lager Reports

29. April 2020 10:08

nele.ilic

Die Corona-Krise trifft geflüchtete Menschen besonders hart. Was hinter verschlossenen Türen in den Lagern vor sich geht, ist den meisten Menschen nicht bekannt. 

Der feministische und antirassistische Frauen*verein International Women* Space (IWS) hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau das zu ändern. Generell ist es ihr Anliegen, geflüchteten Frauen, die besonders schwer von Diskriminierung betroffen sind, Gehör zu verschaffen. Mit dem ersten Quartiermeister-Stipendium fördern wir neun Monate lang die Arbeit des IWS. 

Seit Ausbruch der Corona-Krise haben sich die ohnehin schon untragbaren Zustände in den Geflüchtetenunterkünften drastisch verschlimmert: auf engstem Raum zusammengepfercht ist es den Heimbewohner*innen nicht möglich, Abstand zu halten. Frauen berichten von verschlechterten hygienischen Zuständen seit Ausbruch des Virus. Einige berichten, die Stellen in den Heimen wurden gekürzt, sodass die Versorgung der Bewohner*innen reduziert wurde.

Für den IWS ist die logische Konsequenz, jetzt noch lauter zu werden, den Frauen in den Lagern nach wie vor eine Stimme zu geben, für die Geschichten von Frauen mit Fluchterfahrung mehr Raum im öffentlichen Diskurs einzufordern.

Im Moment konzentriert sich der IWS in seiner Arbeit vor allem auf zwei Dinge: Zum einen sammeln sie wichtige Informationen, nützliche Links und Dienstleistungen für Frauen und Geflüchtete auf ihrer Internetseite. Zum anderen geben sie dort Frauen aus den Lagern eine Plattform, auf der sie mittels einfacher Sprachaufnahmen direkt aus den Lagern ihre Situation beschreiben können. Somit werden die Zustände in den Lagern für mehr Menschen sichtbar.

In den letzten Wochen wird viel über Solidarität geredet. Aber Solidarität bedeutet eben nicht nur, zu Hause zu bleiben oder für Nachbar*innen einkaufen zu gehen. Auch, aber nicht nur. Wir fordern Solidarität mit denen, die sie jetzt am dringendsten brauchen. Genau deswegen finden wir die Arbeit des IWS jetzt noch wichtiger denn je! Hier könnt ihr die Arbeit des Vereins verfolgen und das Projekt direkt mit einer Spende unterstützen. 

Stay Home Club – jetzt in vielen Städten Deutschlands

27. April 2020 10:05

annika.bruemmer

Im Zuge der Corona-Krise und den drohenden Umsatzeinbußen durch den Lockdown der Gastronomie, haben wir gemeinsam mit anderen stark betroffenen Sozialunternehmen Mitte März den Stay Home Club Berlin ins Leben gerufen.

Der Stay Home Club ist ein Zusammenschluss verschiedener Unternehmen, die jeweils einen größeren Zweck verfolgen - von sozial bis ökologisch. Alle beteiligten Marken verkaufen faire und nachhaltige Produkte, um Geld für ihre übergeordneten Ziele zu sammeln. Wir verkaufen z.B. Bier, um mit Teilen der Erlöse soziale Nachbarschaftsprojekte zu fördern. Uns Gründungsmitglieder eint, dass wir unsere Produkte vor allem an die Gastronomie verkaufen. So sehen wir Umsatzeinbrüchen von 80-90 % entgegen. Über den Stay Home Club können Privatpersonen öko-soziale Produkte per Knopfdruck nach Hause bestellen. Die Logistik wird von den Berliner Flaschenteufeln abgewickelt, die ebenfalls hart von der Schließung der Gastro betroffen sind, da auch sie hauptsächlich Kneipen, Cafés, Restaurants und Clubs beliefern – diese Kunden fallen nun alle weg.

Ganz nach Quartiermeister-Manie möchten wir mit dem Stay Home Club jedoch nicht nur unseren eigenen Arsch retten, sondern gleichzeitig diejenigen unterstützen, die von der Pandemie und dem Lockdown am Härtesten betroffen sind und die ihr vielfältiges Angebot nicht vor eurer Tür abstellen können: Die Live-Clubs, Gastronomien und Veranstalter*innen. Für den Stay Home Club Berlin bedeutet das im Klartext: Wir spenden 10 % des Einkaufswertes an den Spendenfond von United We Stream zum Erhalt der Berliner Clublandschaft.

Innerhalb der letzten Wochen haben wir ordentlich am Konzept gefeilt. Wir haben den Online-Shop verbessert (wir sind alle absolute Laien im E-Commerce), das Sortiment erweitert und konnten den Stay Home Club in verschiedene andere Städte ausweiten: Dresden, Chemnitz, Hamburg und ganz neu am Start: Köln. Das Sortiment variiert von Stadt zu Stadt, aber eines bleibt gleich: 10 % der Erlöse kommen den Clubs und Veranstalter*innen der jeweiligen Städte zu Gute. So unterstützen Besteller*innen nicht nur kleine Sozialunternehmen, sondern auch die vielfältige, bunte Clublandschaft in ihren Nachbarschaften, denn sind wir mal ehrlich: Wir wollen alle nach Corona ganz bald wieder in unseren Lieblingsschuppen abdäncen! #jointheclub

Stay Home Club Berlin: www.stayhomeclub-berlin.de

Stay Home Club Dresden: www.stayhomeclub-dresden.de

Stay Home Club Chemnitz: www.stayhomeclub-chemnitz.de

Stay Home Club Hamburg: www.stayhomeclub-hamburg.de

Stay Home Club Köln: www.stayhomeclub-koeln.de

Wir sehen uns morgen in der Kneipe - 1. Wertueller Kneipenabend mit Peter Eckert

8. April 2020 09:28

lisa.wiedemuth

Vermisst ihr auch stinkenden Zigarettenqualm, klebende Theken und Menschen die über dröhnende Musikboxen schreien? All das können wir euch nicht bieten! Und trotzdem möchte der Quartiermeister Verein nicht auf seine monatlichen Kneipenabende verzichten. Deswegen treffen wir uns am Donnerstag den 9. April ab 19Uhr das erste Mal auf Insta-Live zum "Wertuellen Kneipenabend! Jede*r kann deutschlandweit auf ein Bierchen vorbeikommen und gemeinsam sinnieren, stammtischartig diskutieren oder sich einfach berieseln lassen! In jeder Folge diskutieren wir über den Wandel eines ganz bestimmten Wertes - vor, während und nach Corona, bei uns persönlich, bei Quartiermeister, in der Wirtschaft und Gesellschaft.

In der ersten Folge schalten wir zu einem unserer Geschäftsführer Peter Eckert und sprechen über "Agilität & Flexibilität". Wie unterscheiden sich diese beiden Werte und warum werden sie in der Organisationsentwicklung immer wieder propagiert? Wie agil muss der Geschäftsführer eines Sozialunternehmens sein? Ab wann stößt die Flexibilität aber auch mal an ihre Grenzen? Wie reagiert Quartiermeister auf die aktuelle Krise und wie kann das Unternehmen - trotz dieser sehr besonderen Zustände - auf Erfahrungen aus der Vergangenheit, oder Support in der Gegenwart zurückgreifen?

Macht es euch gemütlich, schaltet euch rein und kommentiert fleißig in unserem Livestream! Wir versuchen all eure Fragen zu beantworten und trotz fehlendem Tresen als Verein, GmbH und Community enger zusammenzurücken! Zum Wohle aller: PROST!

Hier geht's zu unserem Instagram-Kanal!

Hat hier jemand Fassbier gesagt?

1. April 2020 11:14

annika.bruemmer

Besondere Zeiten erfordern besondere Maßnahmen und bergen besondere Möglichkeiten - für euch!

Die Gastro ist dicht und jetzt stehen wir hier mit unserem Talent und einigen Fässern Quartiermeister. Selbst trinken können wir dann doch nicht alle und hamstern macht auch keinen Sinn, da sie in ein paar Monaten ihr MHD erreichen. "Mindestens haltbar bis" heißt bekannterweise nicht "absolut tödlich ab", jedoch können wir MHD-Ware nicht mehr verkaufen. Deshalb der Aufruf an euch und alle privaten Haushalte und Organisationen mit Zapfanlage im Keller: Hat jemand Bedarf an einem Fass Bio-Rotbier (30 oder 50 Liter), Bio-Pils (50 Liter), Bio-Helles (50 Liter) oder Original Pils (50 Liter) und würde uns eins zu vergünstigten Konditionen abnehmen? Preis und Bezug klären wir gerne individuell. Schreibt uns eine Mail an bestellung@quartiermeister.org.

Nicht vergessen: Pro verkauftem Liter spenden wir 10 Cent an soziale & kulturelle Projekte in der Nachbarschaft. Pro 50-Liter Fass fließen also direkt 5 € in unsere Projektförderung. So unterstützt ihr also nicht nur uns und verhindert, dass gutes Bier den Abfluss runter geht, sondern tut auch was Gutes für eure Hood! #zumwohlealler